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		<title>Das Prekariat &#8211; ein neues Proletariat?</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Dec 2012 19:24:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[1913]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jhdt.]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Essay von Peter Rose Rückkehr der sozialen Frage „Gerade in der jetzigen Zeit tobt der Kampf um die Existenz mit furchtbarer Heftig­keit.“[1] Dieser Satz stammt aus dem Jahre 1913 und war damals im Vorwärts, der Parteizeitung der SPD, zu &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=135">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><span style="color: #999999;">Ein Essay von Peter Rose</span></em></p>
<p><strong>Rückkehr der sozialen Frage<br />
</strong>„Gerade in der jetzigen Zeit tobt der Kampf um die Existenz mit furchtbarer Heftig­keit.“[1] Dieser Satz stammt aus dem Jahre 1913 und war damals im <em>Vorwärts</em>, der Parteizeitung der SPD, zu lesen. Fast 100 Jahre später berichtet die gleiche Zeitung im Februar 2010 über die immer größer werdende Not in Deutschland[2] und stellt auf der Titelseite die Frage: „Wer rettet den sozialen Staat?“. Demnach scheint das State­ment zum Existenzkampf aus den 1910er Jahren in gewisser Weise auch heute noch zuzutreffen. Haben also die gesellschaftli­chen Verhältnisse und Probleme von 1913 mit denen der Gegenwart etwas gemeinsam &#8211; und: wie viel politi­sche Sprengkraft steckt in einer Zuspitzung der sozialen Lage?<em><span id="more-135"></span></em></p>
<p>Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert durch Industrialisierung und Urba­nisierung entstandene soziale Frage schien in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Wirtschafts­wunder der 1950er und 1960er Jahre bis in die 1990er Jahre hinein durch die soziale Markt­wirt­schaft beantwortet zu sein. Um die Jahrtausendwende traten dann aber die zunehmenden sozia­len Unterschiede der verschiedenen Bevölkerungsschichten im wiederver­einigten Deutsch­land klar in Erscheinung und erinnern ein wenig an die Zeit der wilhelmi­nischen Klassenge­sellschaft mit ihren damaligen sozialpolitischen Problem­feldern.</p>
<p><strong>Proletariat und Solidarität um 1910<br />
</strong>Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Deutschen Reich um 1910 waren geprägt durch ein enormes Bevölkerungswachstum. So lebten in Deutschland zur Zeit der Reichs­gründung 1871 etwa 49 Millionen Menschen, während es 1913 fast 67 Millionen waren, also ein gutes Drittel mehr.[3] Auf der Suche nach Arbeit strömten massenhaft junge Menschen aus den landwirtschaftlichen Gebieten im Osten Deutschlands in die expandierenden Industrie­regionen mit ihren rasant wachsenden Städten.</p>
<p>In der prosperierenden Volkswirtschaft des Kaiserreichs um 1910 mit einer relativ gerin­gen Arbeitslosenquote zwischen zwei und drei Prozent[4] –  nach heutigen Maßstäben quasi Vollbeschäftigung – waren die Lebens­bedingungen für große Teile der neu entstande­nen In­dustriearbeiter­schaft trotzdem alles andere als rosig. Die Neuankömmlinge vom Lande muss­ten sich in den pulsieren­den Großstädten den urbanen Lebensverhältnissen anpassen. Es gab für die neu hinzugezoge­nen Massen bei weitem nicht genügend Wohnraum. In vielen Städten ent­standen in aller Eile hochgezogene Arbeiterquartiere mit schlecht ausgestatten Mietskaser­nen, deren Wohnungen meist nur ein Zimmer und eine Küche hatten. Viele Arbeiterfami­lien hatten Schwierigkeiten, die Miete selbst für eine solch bescheidene Unterkunft regelmäßig aufzu­bringen, so dass sie das einzige Zimmer an so genannte Schlafgänger, junge Frauen und Män­ner ohne eigene Wohnung, untervermieteten. Die vielköpfige Familie musste dann in der ih­r als einzigem Wohnraum verbliebenen Küche hausen.[5] Aus diesem sozialen Umfeld der städtischen Industriearbeiterschaft entstand der Kern einer sozia­len Klasse mit gemeinsamen Interessen, gemeinsamer Ideologie und Konfliktbereit­schaft, gemeinsamen politischen Organisationen, gemeinsamer Sozialmentalität, ge­meinsamer Kultur &#8211; kurzum: einem gemeinsamen Weltbild.[6]</p>
<p>Das Sinn und Identität stiftende Schlag­wort dieser neuen sozialen Klasse des Industrieproletariats war Solidari­tät. Neben den vielen Ge­mein­samkeiten gab es signifikante Unterschiede innerhalb der lohnabhän­gigen Industrie­ar­beiter­schaft: Einerseits die gut ausgebildeten und gut bezahlten Facharbeiter mit relativ siche­ren Arbeitsplätzen, andererseits ein Millionenheer von An­gelernten, Ungelernten, Tage­löh­nern und Gelegenheitsarbeitern, die bei konjunkturellen Einbrüchen der Wirtschaft kurz­fristig „auf der Straße saßen“. Ältere Arbeitslose ab 40 Jahre fanden nur schwer wieder in „Lohn und Brot“ zurück, meist nur zu deutlich schlechteren Konditionen.</p>
<p>Trotz der Differenzierung der Arbeiter innerhalb der Betriebe entwickelte sich „nach Feierabend“ in ihren Wohnvierteln eine Homogenisierung der Arbeiterschaft, wie sie zur He­raus­bildung eines sozialen Klassenbewusstseins nötig ist. Diese Vereinheitlichung wurde „durch die Gemein­samkeiten der proletarischen Lebenswelt und des proletarischen Milieus“ [7] in Arbeiterverei­nen, in Einrichtungen der Gewerkschaften und der damals aufstrebenden SPD und nicht zu­letzt in den Kommunikationszentren der Arbeiter-wohnquar­tiere, den Eck­kneipen, voran ge­bracht. Sowohl der starke staatliche Druck auf Sozialdemokraten und Ge­werkschaften als auch die Diskriminierung und Aus­grenzung durch das Bürgertum haben eine Eini­gung der Arbeiterklasse eher geför­dert und nicht, wie damals in den bürgerlichen Kreisen er­hofft, zu verhindern vermocht.</p>
<p>Die Arbeiter hatten sich in ihrer proletarischen Subkultur häuslich eingerichtet: Das eng­maschige sozialdemokra­tische Netzwerk bot ihnen und ihren Familien von der Wiege bis zur Bahre Zuflucht und die Hoffnung auf eine in ihren Augen gerechtere Gesellschaft.[8] Durch die mitgliederstarken Gewerk­schaften und die Wahlerfolge der Sozial­demokraten – bei der Reichstagswahl 1912 wurde die SPD zur stärksten Partei – erlangte die Arbeiterklasse ein be­achtliches Maß an politischer Macht und konnte schrittweise Verbesserungen ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen durchsetzen. Es ging also vorwärts und die Ar­beiter blickten damals eher hoffnungsvoll in die Zukunft – wenn auch dieser optimistische Blick sehr trügerisch war, wie wir heute, ausgestattet mit der „Gnade der späten Geburt“ (Helmut Kohl), wissen.</p>
<p><strong>Prekariat und Individualität 2010<br />
</strong>Die Bundesrepublik Deutschland steht vor dem Problem, das bis vor einigen Jahren noch als vorbildlich geltende System der sozialen Absicherung aufrecht zu erhalten. Geringes wirt­schaftliches Wachstum, eine hohe Arbeitslosenquote und der dramatische demografische Wandel stellen das bisherige System in Frage und lassen das „soziale Netz“ immer löchriger werden. Um die hohe Sockelarbeitslosigkeit zu verringern, wurde der Arbeitsmarkt bereits dereguliert und der Kündigungsschutz gelockert. Aus Sicht der Arbeitgeber kann seitdem fle­xibler auf konjunkturelle Schwankungen reagiert werden und die verantwortlichen Politiker hoffen, dass die Liberalisierung des Arbeits­marktes dauerhaft neue Arbeitsplätze schaffen wird. Diese Maßnahmen haben zwar eine kurzfristige Senkung der Arbeitslosenquote be­wirkt, aber um welchen Preis?</p>
<p>Im wirtschaftlichen Kontext von Globalisierung plus Modernisierung &#8211; noch verstärkt durch das gewal­tige Beben der Finanzkrise – wird die Arbeitswelt gegenwärtig umstruktu­riert. Die Beschäftigungsverhältnisse vieler Arbeit­nehmer befinden sich in einem fortdauer­den Veränderungsprozess. So werden die bisher in Deutschland vorherrschenden unbefris­teten Arbeitsverträge zunehmend durch zeitlich begrenzte Verträge ohne tariflichen Schutz ersetzt. Diese Entwicklung führt dazu, dass sich soziale, rechtliche, materielle und berufliche Un­sicherheiten von Arbeitnehmern immer weiter ausbreiten.</p>
<p>Die Gruppe von Menschen, die nur be­fristete, jederzeit kündbare Arbeitsplätze haben, also in sehr unsicheren bzw. prekären beruflichen Verhältnissen leben, wird seit einigen Jah­ren als Prekariat bezeichnet. Diese prekär beschäftigten Arbeitnehmer sowie die Klein- und Subunternehmer, sogenannte Ich-AGs,  sind Grenzgänger in einer veränderten Arbeits­welt. Sie müssen sich „durch das unwegsame Gelände von Minijobs, Praktika, Leiharbeit, befristeten Tätigkeiten und staatlichen Unterstützungsleistungen“[9] kämpfen.  Die Prekarier befinden sich dauerhaft im Niemandsland zwischen Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit und leben buchstäblich von der Hand in den Mund. Für eine Zukunftssicherung oder Altersvor­sorge haben sie kaum einen  finanziellen Spielraum, so dass sich ihre prekäre Lage mit zu­nehmendem Alter wahrscheinlich noch verschärfen wird.</p>
<p>Gewollt oder ungewollt erinnert die Wortschöpfung Prekariat an Proletariat, einen Begriff aus der Zeit des Klassenkampfs, der seit dem Ende des real existierenden Sozialismus in Deutschland und Europa weitgehend in der historischen Versenkung verschwunden ist. Die begriffliche Ähnlichkeit und die vielen Gemeinsamkeiten der prekär Beschäftigten heute und vieler Industriearbeiter damals dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen diesen beiden gesellschaftlichen Gruppierungen gibt: Das Prekariat im Jahre 2010 hat einen deutlich geringeren gesellschaft­lichen Einfluss im Vergleich zur politischen Macht des Proletariats um 1910. Die Prekarier heute sind eine zersplitterte, anonyme Masse ohne kollektiven Zu­sammen­halt – geradezu ein Beispiel von „negativem Individualismus“[10]. Die Menschen dieser neuen „gesellschaftlichen Zwischen­schicht“[11] sind hin und her gerissen  zwischen Äng­sten vor weiterem sozialen Ab­stieg und der vagen Hoffnung auf sta­bilere wirtschaftliche Ver­hält­nisse. Die dem Prekariat zugerechneten Menschen sind mit ihren großen Sorgen und Nöten weitgehend auf sich al­lein ge­stellt und blicken eher negativ in die Zukunft, oft nach dem Motto „Früher war alles besser“.</p>
<p><strong>Blick zurück nach vorn<br />
</strong>Im Gegensatz zu 1910, als die soziale Frage im Kaiserreich ganz oben auf der Tages­ordnung stand und als ernsthafte Bedrohung für das damalige Gesellschaftssystem wahrgenommen wurde, neigen Teile der wirtschaftlichen und politischen Eli­ten der Bundes­republik im Jahre 2010 noch immer zur Verharmlosung sozialer Probleme und sozialer Ungerechtigkeit. Von einer Chancengleichheit kann heute kaum noch gesprochen werden, so dass die Durchlässig­keit zwischen den sozialen Schichten abnimmt,was viele Menschen zu dauerhaften Verlierern werden lässt. In unserer Gesellschaft, in der Arbeit und Leistung im Mittelpunkt stehen und als allge­mein anerkannte Wertmaßstäbe für Erfolg oder Misserfolg jedes einzelnen Indi­viduums ge­lten, können Zukunftsängste und Hoffnungslosigkeit großer Teile der Bevölke­rung zu prekä­ren politischen Verhältnissen führen. Die gesellschaftliche Unsicherheit be­günstigt ver­stärkte Ressentiments gegen andere, in der Regel noch schwächere Bevölke­rungs­gruppen. Man­gelnde Solidarität innerhalb der Gesellschaft kann bei der zunehmenden Anzahl von Mo­derni­sierungsverlierern dazu führen, dass sie den Lockrufen extremer politi­scher Parteien folgen. Da das heutige Prekariat im Gegensatz zum damaligen Prole­tariat nicht als geschlossener Block in Erscheinung tritt, wird diese Gefahr möglicher­weise unterschätzt, aber gerade die deutsche Vergangenheit zeigt, welche gefährlichen Entwick­lungen möglich sind.</p>
<p>Ohne Frage ist die materielle Not, wie sie einen großen Teil der Arbeiterschaft vor 100 Jahren heimgesucht hat, heute durch staatliche Transferleistungen deutlich gemildert worden. Die seelische Not hingegen, die durch den Verlust der Selbstachtung entsteht, wenn ein Mensch für sich und seine Familie nicht oder nur unzureichend mit seinem Arbeitslohn sor­gen kann und auf staatlichen Zuwendungen angewiesen ist, wird heute vermutlich ähnlich groß wie damals sein. Der aktuell propagierte Individualismus mit der Aufforde­rung zu Selbstbehauptung und Durchsetzungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt überfordert viele Ar­beitnehmer und sie werden langsam aber sicher in das Prekariat oder die Arbeitslosigkeit ab­gedrängt. Die wachsende Bedrohung ebenfalls zu Verlierern zu werden, löst bei den noch fest an­gestellten Arbeitnehmern Ängste und Reflexe aus, die zu einer Mitleidlosigkeit gege­nüber den prekär Beschäftigten bzw. den Arbeitslosen führen. Neben den materiellen Ein­schrän­kungen hat das Prekariat heute also unter einer zunehmenden Entsolidarisierung der Ge­sell­schaft zu leiden, was eine positive Zukunftsperspektive für die betroffenen Menschen zu­sätz­lich erschwert und sie möglicherweise politisch unberechenbar werden lässt. Die wich­tige Errungenschaft der individuellen Freiheit darf meines Erachtens nicht dahingehend fehl­ge­deutet werden, dass jeder Mensch sich ausschließlich um sich selbst und sein eigenes Wohl zu kümmern hat. Auch wenn das Wort Solidarität heutzutage ein wenig angestaubt klingen mag, so kommt doch keine lebenswerte Gesellschaft ohne einen solchen Gemeinsinn aus.</p>
<p>Die Brisanz der sozialen Frage des 21. Jahrhunderts bedarf einer möglichst raschen Ant­wort, nur welcher? Eine zukünftige „Diktatur des Prekariats“ – ähnliche  politische Modelle sind bekann­terma­ßen schon einmal gescheitert – wäre ebenso wenig wünschenswert wie ein Rückfall in das unsoziale Gedankengut des Sozialdarwinismus mit seiner These „Survival of the Fittest“, was etwa einem ungezügelten „Raubtierkapitalismus“ (Helmut Schmidt) gleich­käme. Vielmehr sollten alle gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam nach einer sozial ausglei­chenden und möglichst gerechten politischen Lösung zwischen sinnvoller staatlicher Inter­vention und einem vernünftigen Maß an unternehmerischer Freiheit zu suchen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Quellen und Literatur</span></p>
<p>Vorwärts, Berlin, 30, Nr. 309, 24.11.1913, Beilage, in: Quellen zur Alltagsgeschichte der Deutschen 1871-1914. Hg.: Jens Flemming, Klaus Saul, Peter Christian Witt,<br />
Darmstadt 1997, S. 178-181.</p>
<p>Vorwärts – das Monatsblatt für soziale Demokratie, Berlin, Februar 2010.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Robert Castel: Die Metamorphosen der sozialen Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit, Konstanz 2000.</p>
<p>Gerhard A. Ritter, Klaus Tenfelde: Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1914,<br />
Bonn 1992.</p>
<p>Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt/M. 2007.</p>
<p>Berthold Vogel: Das Prekariat – eine neue soziale Lage?, in: Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung &#8211; Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, hg.. v.: Robert Castel, Klaus Dörre, Frankfurt/M. 2009, S. 197-208.</p>
<p>Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Dritter Band. Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914, München 1995.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Anmerkungen:</span></p>
<hr size="1" />
<div>
<div>[1] Vorwärts, Berlin, 30, Nr. 309, 24.11.1913, Beilage, in: Quellen zur Alltagsgeschichte der Deutschen 1871-1914, hg. v: Jens Flemming, Klaus Saul, Peter Christian Witt, Darmstadt 1997, S. 179.</div>
</div>
<div>
<div>[2] Susanne Dohrn: Die Not wird immer größer, in: Vorwärts, Berlin, Februar 2010, S. 6.</div>
</div>
<div>
<div>[3] Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt/M. 2007, S. 135.</div>
</div>
<div>
<div>[4] Gerhard A. Ritter, Klaus Tenfelde: Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1914, Bonn 1992, S. 241.</div>
</div>
<div>
<div>[5] Vgl. ebd. S. 587ff.</div>
</div>
<div>
<div>[6] Vgl. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Dritter Band. Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914,  München 1995, S. 784.</div>
</div>
<div>
<div>[7] Ebd. S. 783.</div>
</div>
<div>
<div>[8] Vgl. Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht, S. 304f.</div>
</div>
<div>
<div>[9] Berthold Vogel: Das Prekariat – eine neue soziale Lage?, in: Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung &#8211; Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, hg.. v.: Robert Castel, Klaus Dörre, Frankfurt/M. 2009, S. 201.</div>
</div>
<div>
<div>[10] Robert Castel: Die Metamorphosen der sozialen Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit, Konstanz 2000, S. 404.</div>
</div>
<div>
<div>[11] Vogel: Prekariat, S. 201.</div>
</div>
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		<title>Ars moriendi &#8211; Die Kunst des Sterbens</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Nov 2012 04:44:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[15. Jhdt.]]></category>
		<category><![CDATA[Ars moriendi]]></category>
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		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Essay von Peter Rose Die Gewissheit des Todes Memento mori – Gedenke, dass du sterblich bist. Dieser kirchlichen Mahnung, die den mittelalterlichen Menschen zu einem gottgefälligen Leben motivieren sollte, bedurften die in der Krisenzeit des späten Mittelalters Lebenden kaum &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=74">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #c0c0c0;"><em>Ein Essay von Peter Rose</em></span></p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weigel_11.JPG?uselang=de" target="_blank"><img class="alignleft" title="Erlösung der Seele" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Weigel_11.JPG?uselang=de" alt="" width="250" /></a><em><strong>Die Gewissheit des Todes</strong></em><br />
<em>Memento mori </em>– Gedenke, dass du sterblich bist. Dieser kirchlichen Mahnung, die den mittelalterlichen Menschen zu einem gottgefälligen Leben motivieren sollte, bedurften die in der Krisenzeit des späten Mittelalters Lebenden kaum mehr: Seit dem 14. Jahrhundert gab es eine Häufung von Naturkatastrophen mit Hungersnöten und sich ausbreitenden Seuchen, wie der Pest, die eine extrem hohe Sterblichkeitsrate in der Bevölkerung verursachten. Der „Schwarze Tod“ machte das Sterben zu einem ganz alltäglichen Ereignis: „Da sieht jeder, wie heute dieser, morgen jener Nachbar von der furchtbaren Krankheit ergriffen wird.“ <a class="simple-footnote" title="Rudolf, Rainer: Ars moriendi. Von der Kunst des heilsamen Lebens und Sterbens. Köln / Graz 1957, S. 9." id="return-note-74-1" href="#note-74-1"><sup>1</sup></a> Jeder Mensch war sich damals bewusst, dass es auch ihn jederzeit dahin raffen konnte, „Tod und Verfall [rückten] den Menschen in vorher nicht gekannter Weise buchstäblich auf den Leib.“ <a class="simple-footnote" title="Reudenbach, Bruno: Tod und Vergänglichkeit in Bildern des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. In: Dülmen, Richard van: Erfindung des Menschen. Schöpfungsräume und Körperbilder 1500-2000, S. 73." id="return-note-74-2" href="#note-74-2"><sup>2</sup></a><em><span id="more-74"></span></em></p>
<p>Die zunehmende Bedeutung der Städte und der Geldwirtschaft sorgten im Spätmittelalter für gesellschaftliche Veränderungen. Durch das erstarkende Bürgertum in den Städten wurden die starren Standesgrenzen zwischen Adel, Klerus und Bauern durchlässiger. Der spätmittelalterliche Mensch definierte sich nun nicht mehr ausschließlich über seinen Stand, sondern auch über seine Leistung als Individuum. Diese an sich begrüßenswerte Entwicklung verursachte aber &#8211; wie die meisten gesellschaftlichen Umbrüche &#8211; auch Verunsicherung und Orientierungslosigkeit. Die Individualisierung der Menschen und ihre Hinwendung zum weltlichen Leben im Diesseits sorgten bei ihnen für zunehmende Zweifel über das eigene Schicksal im Jenseits. Dass es ein Leben nach dem Tode geben würde, war weiterhin gesellschaftlicher Konsens. Auch über die möglichen jenseitigen Aufenthaltsorte – Himmel, Hölle und dem zeitlich begrenzten Fegefeuer auf dem Weg dorthin – herrschte Einmütigkeit. Da aber niemand mit Sicherheit wusste, an welchen Ort er nach seinem Ableben gelangen würde und wie lange er im Fegefeuer ausharren müsste, war der kommende Tod die einzige Gewissheit. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Hannemann, Cornelia: Das Bild des Todes in Artes moriendi und Totentänzen des ausgehenden 15. Jahrhunderts, Magisterarbeit Universität Hamburg 2004, S. 5." id="return-note-74-3" href="#note-74-3"><sup>3</sup></a></p>
<p><em><strong>Die Angst vor dem Tod</strong></em><br />
Die Sorge um das eigene Seelenheil trieb die damals lebenden Menschen deshalb besonders um – angesichts des allgegenwärtigen Todes in der unmittelbaren Nachbarschaft steigerte sich die Heilssorge oft in eine regelrechte Heilsangst. <a class="simple-footnote" title="Resch, Claudia: Trost im Angesicht des Todes. Frühe reformatorische Anleitungen zur Seelsorge an Kranken und Sterbenden, Tübingen 2006, S. 18." id="return-note-74-4" href="#note-74-4"><sup>4</sup></a> Die „letzte Stunde“ wurde im späten Mittelalter als eine Art Prüfung mit ungewissem Ausgang empfunden und gefürchtet. „Denn nun“ –  in eben dieser Stunde –  „fällt die letzte unwiderrufliche Entscheidung.  Von der sittlichen Verfassung des Menschen in der Todesstunde hängt ja sein ewiges Schicksal ab.“ <a class="simple-footnote" title="Rudolf: Ars moriendi, S. 56." id="return-note-74-5" href="#note-74-5"><sup>5</sup></a> Diese Vorstellung einer letzten Prüfung verdrängte die bis dahin vorherrschende Erwartung des Jüngsten Gerichts in unbestimmter Zukunft – die Entscheidung über das ewige Schicksal des Einzelnen wurde „ein entsetzliches Spiel“ direkt an seinem Lebensende. <a class="simple-footnote" title="Ariès, Philippe: Geschichte des Todes, München / Wien 1980, S. 140." id="return-note-74-6" href="#note-74-6"><sup>6</sup></a></p>
<p>„Ein derart hohes Risiko hat etwas Erschreckendes, und man versteht denn auch, daß die Angst vor dem Jenseits damals ganze Bevölkerungsschichten erfaßte, die noch keine Furcht vor dem Tode kannte.“ <a class="simple-footnote" title="Vgl. ebd., S. 141." id="return-note-74-7" href="#note-74-7"><sup>7</sup></a> Der Tod wurde von den damals lebenden Menschen in seiner ganzen Drastik und Härte erfahren, was verständlicherweise zu einer pessimistischen Grundhaltung führte. Die Kirche war angesichts dieser weit verbreiteten Angst und Verzweiflung kaum mehr in der Lage hinreichenden Trost zu spenden. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Haas, Alois M.: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter. In: Jezler, Peter(Hg.): Himmel, Hölle, Fegefeuer. Das Jenseits im Mittelalter, Ausstellungskatalog Zürich 1994, S. 74." id="return-note-74-8" href="#note-74-8"><sup>8</sup></a></p>
<p><em><strong>Das Bild vom Tod</strong></em><br />
Der Tod mit all seinen Schrecknissen wurde den Menschen im Spätmittelalter „multimedial“ anschaulich gemacht. In Predigten und literarischen Schriften wurde der Verachtung der irdischen Welt (<em>Contemptus mundi</em>), dem ständigen Gedenken des Todes (<em>Memento mori</em>) und einer daher notwendigen Lehre des heilsamen Sterbens (<em>Ars moriendi</em>) in Wort und Schrift Ausdruck verliehen. Bildliche Darstellungen vom Verfall und der Verwesung des menschlichen Körpers sowie personifizierte Darstellungen des Todes avancierten im sakralen Bereich zum Standard und unterstützten die theologischen Texte. Auch die leseunkundige Bevölkerung erhielt so einen Zugang zur damals aktuellen christlichen Vorstellungswelt über Tod und Jenseits, sofern diese über die realen Erfahrungen mit dem Tod überhaupt hinaus ging. Den führenden Theologen der damaligen Zeit war es vermutlich wichtig, die Allgegenwart des Todes – ausgelöst durch Naturkatastrophen, Hunger, Epidemien, Krieg und Gewalt – plausibel in die christliche Lehre zu integrieren, damit diese glaubwürdig bliebe. „Keine Zeit hat mit solcher Eindringlichkeit jedermann fort und fort den Todesgedanken eingeprägt wie das fünfzehnte Jahrhundert.“ <a class="simple-footnote" title="Huizinga, Johann: Herbst des Mittelalters, Stuttgart 1990, S. 190., Zit. n. Reudenbach: Tod und Vergänglichkeit in Bildern des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 73." id="return-note-74-9" href="#note-74-9"><sup>9</sup></a> Die permanente Wahrnehmung von Tod, Gericht, Himmel und Hölle sollten Betrachter, Leser und Zuhörer auch vor den vermeintlich schlimmen Konsequenzen sündigen Verhaltens warnen. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 74." id="return-note-74-10" href="#note-74-10"><sup>10</sup></a></p>
<p><em><strong>Die Auseinandersetzung mit dem Tod</strong></em><br />
In der Sterbeliteratur der ars moriendi wird der Tod als das zentrale Geschehen im Leben dargestellt. Alles Entscheidende für das jenseitige Leben nach dem Tode wurde in die letzte Phase des irdischen Lebens – die Sterbephase – verlegt. Somit wurde eingestanden, dass das irdische Leben trotz der Vorschriften und Gebote der christlichen Lehre eigentlich unzähmbar und unlenkbar war. <a class="simple-footnote" title="Vgl. ebd., S. 76." id="return-note-74-11" href="#note-74-11"><sup>11</sup></a> Durch die Verlegung der Entscheidung über den weiteren Weg nach dem Tode an das Ende des Lebens förderte die Kirche – wenn auch ungewollt – eine bürgerliche Verweltlichung des christlichen Daseins. Warum, so werden sich die damaligen Zeitgenossen gefragt haben, sollte auch das ganze Leben christlich geprägt und durchstrukturiert sein, wenn sich der weitere Weg nach dem Tode doch erst auf dem Sterbebett entscheidet. <a class="simple-footnote" title="Vgl. ebd., S. 76." id="return-note-74-12" href="#note-74-12"><sup>12</sup></a></p>
<p>Für die große Anzahl der Kranken und Sterbenden gab es viel zu wenig Priester, die diese Menschen in ihrer letzte Stunde seelsorgerisch begleiten konnten. So ging man seitens der Kirche dazu über, schon die Lebenden und Gesunden in Predigten auf ihren Tod vorzubereiten. Ursprünglich für den Priester bestimmte schriftliche Anweisungen für Handlungen und Rituale in der Todesstunde der ihnen anvertrauten Gläubigen fanden bald auch außerhalb der Priesterschaft unter Laien weite Verbreitung. Die in diesen „Todesbüchlein“ niedergeschriebene Kunst des Sterbens, die <em>ars moriendi</em>, wurde meist von Klerikern aus einem reformerischen Umfeld abgefasst. <a class="simple-footnote" title=" Vgl. ebd., S. 74f." id="return-note-74-13" href="#note-74-13"><sup>13</sup></a></p>
<p>Neben den schriftlichen Anweisungen wurden zunehmend auch bildliche Darstellungen des Sterbeprozesses in den <em>ars moriendi </em>verbreitet. Auch der leseunkundigen Bevölkerung konnte nun durch Bilder, die in einer Holzschnitttechnik gedruckt wurden, ein Leitfaden zur „Kunst des guten Sterbens“ vermittelt werden. Die „Ars moriendi der fünf Anfechtungen“, auch „Bilder-Ars“ genannt, ist das wohl berühmteste Sterbebüchlein des 15. Jahrhunderts. <a class="simple-footnote" title="Rudolf: Ars moriendi, S. 69." id="return-note-74-14" href="#note-74-14"><sup>14</sup></a> Die Erstausgabe, ein Blockbuch mit Holzschnitten,  ist vermutlich um 1465 im Rheinland entstanden. Von hier aus breitete sich die „Bilder-Ars“ über ganz Deutschland und in Westeuropa aus. Für die Gestaltung der Bilder in der Erstausgabe kommt als „Meister E.S.“ genannter Künstler in Frage, dessen Urheberschaft aber nicht gesichert ist. Der Text ist möglicherweise schon älter, er könnte bereits 1408 oder 1414 von einem französischen Geistlichen verfasst worden sein.  <a class="simple-footnote" title="Rudolf, Rainer: Art. „Bilder-Ars-Moriendi“, In Verfasserlexikon VI, 1978, Sp. 862." id="return-note-74-15" href="#note-74-15"><sup>15</sup></a> Die erste deutsche Ausgabe ist um 1470 entstanden. Die Holzschnitte zu dieser Ausgabe hat ein Künstler „Ludwig von Ulm“ geschaffen, dessen genaue Identität aber nicht bekannt ist. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Hannemann: Das Bild des Todes in Artes moriendi, S. 54." id="return-note-74-16" href="#note-74-16"><sup>16</sup></a></p>
<p>Viele Menschen waren damals in ihrer letzten Stunde auf sich allein gestellt. Ohne priesterlichen Beistand mussten sie aus dem Leben scheiden. Solch Aussichten waren für unsere Vorfahren sehr beängstigend, weil nach ihren damaligen Vorstellungen die Mächte des Bösen in letzten kritischen Augenblicken eines Menschen noch einmal alles daran setzen würden, um mit List und Tücke seiner bald aus dem Körper weichenden Seele habhaft zu werden. Hier setzte der Sterbeleitfaden an: In elf Holzschnitten führte die „Bilder-Ars“ dem Betrachter drastisch vor Augen, um welche teuflischen Listen es sich bei diesen Versuchungen wohl handeln würde und wie man sich gegen diese zur Wehr setzen konnte. Um eine Allgemeinverständlichkeit zu erreichen, wurde der Kampf um die Seele personifiziert dargestellt. Der Sterbende ist als ein Mann in den besten Jahren dargestellt, mit dem sich viele leicht identifizieren konnten. Hatte man sich die elf Illustrationen ein paar Mal angesehen, kannte man deren Inhalt schnell auswendig. Wenn man dieses schon in jungen Jahren tat, war man anschließend ein Leben lang für den letzten Kampf gerüstet und brauchte sich in der Sterbestunde nur so zu verhalten, wie es im Leitfaden anhand des sterbenden „Jedermanns“ beispielhaft zu sehen war. Man würde dann in den letzten Augenblicken auf Erden allen teuflischen Versuchungen widerstehen und gottgefällig sterben können &#8211; und somit die ewige Glückseligkeit erlangen. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Imhof, Arthur E.: Ars moriendi ,1997-2001, http://userpage.fu-berlin.de/~history1/ks/arsmor.htm#vor (23.01.2011)" id="return-note-74-17" href="#note-74-17"><sup>17</sup></a></p>
<p>Dargestellt wird in den elf Bildern der glücklich ausgehende Kampf um die Seele eines Jedermann in der Sterbestunde. Es gehören immer zwei Bilder zusammen. Die fünf Holzschnitte auf der linken Seite visualisieren die fünf größten teuflischen Versuchungen, die man sich damals vorstellen konnte, die fünf Antwortbilder auf der rechten Seite zeigen, wie himmlische Mächte dem Sterbenden zu Hilfe eilen, ihm beistehen und ihn zum Widerstand gegen die teuflischen Versuchungen und zum Ausharren ermutigen:</p>
<p>„Versuchung im Glauben“ und „Ermutigung im Glauben“<br />
<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/50/Weigel_01.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi1" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/50/Weigel_01.JPG" alt="" width="270" /></a> <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6f/Weigel_02.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi2" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6f/Weigel_02.JPG" alt="" width="285" /></a></p>
<p>„Versuchung durch Verzweiflung“ und „Trost durch Zuversicht“<br />
<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/Weigel_03.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi3" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/Weigel_03.JPG" alt="" width="280" /></a> <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Weigel_04.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi4" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Weigel_04.JPG" alt="" width="250" /></a></p>
<p>„Versuchung durch Ungeduld“ und „Trost durch Geduld“<br />
<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/01/Weigel_05.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi5" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/01/Weigel_05.JPG" alt="" width="280" /></a> <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d4/Weigel_06.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi6" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d4/Weigel_06.JPG" alt="" width="280" /></a></p>
<p>„Versuchung durch Hochmut“ und „Trost durch Demut“<br />
<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3a/Weigel_07.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi7" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3a/Weigel_07.JPG" alt="" width="280" /></a> <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/37/Weigel_08.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi8" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/37/Weigel_08.JPG" alt="" width="280" /></a></p>
<p>„Versuchung durch irdische Güter“ und „Trost durch Abwenden vom Irdischen“<br />
<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2c/Weigel_09.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi9" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2c/Weigel_09.JPG" alt="" width="280" /></a> <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/Weigel_10.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi10" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/Weigel_10.JPG" alt="" width="280" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Im elften Bild ist der Kampf entschieden, die himmlischen Mächte haben gesiegt, die Seele des nun Verstorbenen ist gerettet – Ende gut, alles gut. <a class="simple-footnote" title="Vgl. ebd." id="return-note-74-18" href="#note-74-18"><sup>18</sup></a></p>
<p>„Erlösung der Seele“</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Weigel_11.JPG?uselang=de"><img title="ars_moriendi11" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Weigel_11.JPG" alt="" width="450" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Die Sterbehilfe im damaligen Sinne kann als psychologische Unterstützung des Sterbenden auf seinem letzten und entscheidenden Weg gesehen werden. Insbesondere galt es, sich auf die „Vier Letzten Dinge des Menschen“ vorzubereiten: Tod, Gericht, Himmel und Hölle. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 70." id="return-note-74-19" href="#note-74-19"><sup>19</sup></a> Im Spätmittelalter wurden die „Letzten Dinge“ und der Tod zu einem beherrschenden Thema in der christlichen Lehre.  <a class="simple-footnote" title="Vgl. ebd., S. 74." id="return-note-74-20" href="#note-74-20"><sup>20</sup></a> Im christlichen Abendland gab es deshalb der eine „wahre Flut von Anleitungen zu einem heilsamen Sterben“. <a class="simple-footnote" title="Rudolf: Ars moriendi, S. 62." id="return-note-74-21" href="#note-74-21"><sup>21</sup></a> Die Sterbeleitfäden wurden, auch begünstigt durch die Fortschritte in der Drucktechnik, zu einem erfolgreichen „Massenmedium“ – dieser Erfolg beruhte nicht zuletzt auf die Illustrationen der „Bilder-Ars“, welche auch die überwiegend leseunkundige Bevölkerung ansprach.</p>
<p><em><strong>Die Tabuisierung und Wiederentdeckung des Todes</strong></em><br />
Der Tod wird bis heute in den westlichen Industriegesellschaften tabuisiert und quasi ausgeblendet, während er im Mittelalter omnipräsent war und daher kaum ignoriert werden konnte. Der mittelalterliche Mensch musste sich bei Zeiten mit Tod und Jenseits auseinandersetzen und der bevorstehende eigene Tod wurde als integraler Bestandteil des Lebens angesehen und akzeptiert. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 69." id="return-note-74-22" href="#note-74-22"><sup>22</sup></a> Sterben war im Mittelalter kein Akt im Verborgenen, sondern fand öffentlich statt &#8211; die Menschen waren bestrebt mit Anstand und Würde zu sterben. <a class="simple-footnote" title="Vgl. ebd., S. 72." id="return-note-74-23" href="#note-74-23"><sup>23</sup></a> Mit dem Wissen um seinen nahenden Tod nahm der mittelalterliche Mensch „sterbend die Regie seines Sterbens in die Hand“. <a class="simple-footnote" title="Vgl. ebd., S. 73." id="return-note-74-24" href="#note-74-24"><sup>24</sup></a></p>
<p>Der heutige Mensch hat diese Regie weitgehend an die Medizin und ihre Apparate abgegeben – das Sterben findet in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Kliniken und Pflegeheimen statt. Es scheint aber, dass hier langsam ein Diskurs über den Sinn und Unsinn lebensverlängernder respektive das Sterben hinauszögernder Maßnahmen in Gang kommt. Der Wunsch todkranker Menschen zu Hause im Kreise ihrer Angehörigen zu sterben wird nach meiner Wahrnehmung größer und auch öfter erfüllt. Einen allgemein anerkannten Leitfaden für das „richtige“ Sterben wird es in unserer pluralisierten, individualisierten und säkularisierten Gesellschaft wohl nicht mehr geben können – aber wenn wir uns auch zu Lebzeiten schon mit dem Tod auseinandersetzen und ihn enttabuisieren könnten, wäre ihm vielleicht Einiges von seinem Schrecken genommen.</p>
<p><a href="http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/xylographa-werke#moriendi" target="_blank">Ars moriendi &#8211; Blockbücher aus bayerischen Sammlungen</a></p>
<div class="simple-footnotes"><p class="notes">Notes:</p><ol><li id="note-74-1">Rudolf, Rainer: Ars moriendi. Von der Kunst des heilsamen Lebens und Sterbens. Köln / Graz 1957, S. 9. <a href="#return-note-74-1">&#8617;</a></li><li id="note-74-2">Reudenbach, Bruno: Tod und Vergänglichkeit in Bildern des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. In: Dülmen, Richard van: Erfindung des Menschen. Schöpfungsräume und Körperbilder 1500-2000, S. 73. <a href="#return-note-74-2">&#8617;</a></li><li id="note-74-3">Vgl. Hannemann, Cornelia: Das Bild des Todes in Artes moriendi und Totentänzen des ausgehenden 15. Jahrhunderts, Magisterarbeit Universität Hamburg 2004, S. 5. <a href="#return-note-74-3">&#8617;</a></li><li id="note-74-4">Resch, Claudia: Trost im Angesicht des Todes. Frühe reformatorische Anleitungen zur Seelsorge an Kranken und Sterbenden, Tübingen 2006, S. 18. <a href="#return-note-74-4">&#8617;</a></li><li id="note-74-5">Rudolf: Ars moriendi, S. 56. <a href="#return-note-74-5">&#8617;</a></li><li id="note-74-6">Ariès, Philippe: Geschichte des Todes, München / Wien 1980, S. 140. <a href="#return-note-74-6">&#8617;</a></li><li id="note-74-7">Vgl. ebd., S. 141. <a href="#return-note-74-7">&#8617;</a></li><li id="note-74-8">Vgl. Haas, Alois M.: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter. In: Jezler, Peter(Hg.): Himmel, Hölle, Fegefeuer. Das Jenseits im Mittelalter, Ausstellungskatalog Zürich 1994, S. 74. <a href="#return-note-74-8">&#8617;</a></li><li id="note-74-9">Huizinga, Johann: Herbst des Mittelalters, Stuttgart 1990, S. 190., Zit. n. Reudenbach: Tod und Vergänglichkeit in Bildern des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 73. <a href="#return-note-74-9">&#8617;</a></li><li id="note-74-10">Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 74. <a href="#return-note-74-10">&#8617;</a></li><li id="note-74-11">Vgl. ebd., S. 76. <a href="#return-note-74-11">&#8617;</a></li><li id="note-74-12">Vgl. ebd., S. 76. <a href="#return-note-74-12">&#8617;</a></li><li id="note-74-13"> Vgl. ebd., S. 74f. <a href="#return-note-74-13">&#8617;</a></li><li id="note-74-14">Rudolf: Ars moriendi, S. 69. <a href="#return-note-74-14">&#8617;</a></li><li id="note-74-15">Rudolf, Rainer: Art. „Bilder-Ars-Moriendi“, In Verfasserlexikon VI, 1978, Sp. 862. <a href="#return-note-74-15">&#8617;</a></li><li id="note-74-16">Vgl. Hannemann: Das Bild des Todes in Artes moriendi, S. 54. <a href="#return-note-74-16">&#8617;</a></li><li id="note-74-17">Vgl. Imhof, Arthur E.: Ars moriendi ,1997-2001, <a href="http://userpage.fu-berlin.de/~history1/ks/arsmor.htm#vor">http://userpage.fu-berlin.de/~history1/ks/arsmor.htm#vor</a> (23.01.2011) <a href="#return-note-74-17">&#8617;</a></li><li id="note-74-18">Vgl. ebd. <a href="#return-note-74-18">&#8617;</a></li><li id="note-74-19">Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 70. <a href="#return-note-74-19">&#8617;</a></li><li id="note-74-20"> Vgl. ebd., S. 74. <a href="#return-note-74-20">&#8617;</a></li><li id="note-74-21">Rudolf: Ars moriendi, S. 62. <a href="#return-note-74-21">&#8617;</a></li><li id="note-74-22">Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 69. <a href="#return-note-74-22">&#8617;</a></li><li id="note-74-23">Vgl. ebd., S. 72. <a href="#return-note-74-23">&#8617;</a></li><li id="note-74-24">Vgl. ebd., S. 73. <a href="#return-note-74-24">&#8617;</a></li></ol></div>]]></content:encoded>
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		<title>Kochkunst im Spätmittelalter</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Oct 2012 13:02:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[15. Jhdt.]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Kochbuchliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Spätmittelalter]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer ein guot muos wil haben Ein Essay von Peter Rose „Speisen wie im Mittelalter“ – zahlreiche gastronomische Angebote versprechen den Menschen des 21. Jahrhunderts einen authentischen Eindruck der „Gaumenfreuden“ mittelalterlicher Küche zu vermitteln. Es stellt sich die Frage, ob &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=743">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><strong><span style="color: #000000;"><em>Wer ein guot muos wil haben<br />
</em></span></strong><span style="color: #888888;">Ein Essay von Peter Rose</span></p>
<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/22/Kuchenmaistrey.jpg" target="_blank"><img class="alignleft" title="Küche mit Kachelofen, aus: Kuchenmaistrey, erstmals erschieben 1485 bei Peter Wagner. Abbildung aus der Ausgabe von Johannes Fischauer, Augsburg 1505" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/22/Kuchenmaistrey.jpg" alt="" width="250" /></a>„Speisen wie im Mittelalter“ – zahlreiche gastronomische Angebote versprechen den Menschen des 21. Jahrhunderts einen authentischen Eindruck der „Gaumenfreuden“ mittelalterlicher Küche zu vermitteln. Es stellt sich die Frage, ob diese nachgestellte historische Erlebnisgastronomie die Lebenswirklichkeit der Ernährung des Mittelalters auch nur annähernd widerspiegelt oder ob es lediglich eine idealisierte Fiktion von ritterlichen Festgesellschaften ist, die an opulenten Tafeln mit „Wein, Weib und Gesang“ schlemmen.</p>
<p>An Hand der überlieferten deutschsprachigen Kochbuchliteratur aus dem späten Mittelalter lassen sich einige spezifische Eigenheiten der Speisenzubereitung vor mehr als 500 Jahren näher beleuchten. Beim Studium der überlieferten Kochbücher sind die verschiedenen Intentionen der mittelalterlichen Küche zu erkennen und auch Bezüge zu heutigen Essgewohnheiten scheinen oftmals auf der Hand zu liegen. Bevor der Blick auf die Rezepte der mittelalterlichen Kochbücher gerichtet werden soll, um schließlich einige mögliche Verbindungen zu heutigen Essgewohnheiten aufzuzeigen, folgt zunächst ein grober Umriss der gesellschaftlichen Strukturen des Spätmittelalters im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelversorgung weiter Teile der mittelalterlichen Bevölkerung im christlichen Abendland.<span id="more-743"></span></p>
<p><strong>Von der Hand in den Mund<br />
</strong>Die mittelalterliche Landwirtschaft konnte im Gegensatz zu der heutigen Agrarindustrie keinen Überfluss produzieren. Die äußerst knappe Nahrungsdecke des frühen Mittelalters führte dazu, dass nach schlechten Getreideernten ersatzweise auch Eicheln und Blätter gemahlen und als Brei gegessen wurden. Im Spätmittelalter mussten mehr als drei Viertel der gesamten Einkünfte einer durchschnittlichen Familie für den Erwerb von Nahrungsmitteln ausgegeben werden. <a class="simple-footnote" title="Schubert, Ernst: Essen und Trinken im Mittelalter, Darmstadt 2006, S. 13." id="return-note-743-1" href="#note-743-1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Ein Großteil der damaligen Steuerzahler galt als arm oder besitzlos, so dass im Mittelalter lediglich eine kleine Oberschicht ohne Nahrungssorgen leben konnte. Jede Hungersnot auf Grund von Missernten oder Schädlingsbefall und auch jede größere Teuerung brachte die Armutsstrukturen des Mittelalters unbarmherzig ans Licht. Bis in das 15. Jahrhundert hinein traten solche extremen Nahrungsmittelengpässe erschreckend regelmäßig in einem Abstand von sieben bis dreizehn Jahren auf. <a class="simple-footnote" title="Ebd., S. 27." id="return-note-743-2" href="#note-743-2"><sup>2</sup></a></p>
<p>Der Hunger war die existentiellste Frage, die sich den Menschen im Mittelalter stellte. „Unser täglich Brot gib uns heute“ betete man im Vaterunser wahrscheinlich mit weit größerer Eindringlichkeit als heute. Mindestens einmal im Leben erlebte die breite Masse der Bevölkerung eine extreme Teuerung, wenn nicht gar eine furchtbare Hungersnot. In den bürgerlichen Oberschichten und in den adligen oder kirchlichen Kreisen hingegen wurden Gaumenfreuden aus besonders extravaganten und teuren Lebensmitteln zubereitet – auch, um sich vom „gemeinen“ Volk abzuheben. <a class="simple-footnote" title="Ebd., S. 249." id="return-note-743-3" href="#note-743-3"><sup>3</sup></a></p>
</div>
<p>Für die große Masse der mittelalterlichen Menschen bestanden Mahlzeiten jedoch aus einfachen Zutaten, die abhängig von der Jahreszeit und der Region waren. Nach Missernten lebte ein Großteil der Landbevölkerung an der unteren Grenze des Existenzminimums – eben „von der Hand in den Mund“.</p>
<p><strong>Mediale Verbreitung mittelalterlicher Kochkünste<br />
</strong>Aus dem Mittelalter sind zahlreiche Kochbücher überliefert, so sind in deutscher Sprache insgesamt 46 Rezeptsammlungen und Kochanweisungen bekannt. <a class="simple-footnote" title="Aichholzer, Doris: „Wildu machen ayn guet essen&#8230;“, Bern 1999, S. 14." id="return-note-743-4" href="#note-743-4"><sup>4</sup></a> Diese deutschsprachige Kochbuchliteratur entstand ab dem 14. Jahrhundert und fand ihre ersten Leser wohl in Kreisen des gehobenen Bürgertums in den expandierenden Städten im Reich. Kochrezepte wurden damals in den Bereich der mechanischen, praktischen Künste eingeordnet. Dieses Ordnungssystem, genannt <em>septem artes mechanicae</em>, hatte Hugo von St. Viktor – Leiter einer Klosterschule in Paris – im 12. Jahrhundert ersonnen. Hugo selbst sah die Kochkunst im Bereich der Heilkunst, der <em>medicina</em>, angesiedelt; im Spätmittelalter wurde das Kochen dann der Landwirtschaft und dem Haushalt zugeordnet. <a class="simple-footnote" title="Ebd., S. 19f." id="return-note-743-5" href="#note-743-5"><sup>5</sup></a></p>
<p>Die aus dem Mittelalter überlieferten Kochbücher enthalten europäische Rezepte von Oberschichtsspeisen und belegen einen internationalen Kulturaustausch: So sind bereits im 15. Jahrhundert die Ravioli in verschiedenen Städten nördlich der Alpen bekannt. Ein wichtiger Beitrag Deutschlands zum abendländischen Speisezettel war die Sülze, die schon um 1300 in der französischen Oberschicht sehr beliebt war. Plagiate und ungeniertes Abschreiben waren in der spätmittelalterlichen Kochbuchliteratur aber derart weit verbreitet, dass man kaum Rezepte findet, die etwas über die regionale Identität aussagen könnten. Soviel jedenfalls kann man sagen: Der Speiseplan der bäuerlichen Bevölkerung war lediglich durch die Natur der unmittelbaren Umgebung bestimmt und nicht etwa durch internationale Kochbücher. <a class="simple-footnote" title="Schubert, S. 298." id="return-note-743-6" href="#note-743-6"><sup>6</sup></a></p>
<p>Als ältestes deutsches Kochbuch gilt <em>Daz buch von guter spise</em> <a class="simple-footnote" title="Hajek, Hans; Kupfer, Artur; Ehlert, Trude (Hrsg.): Daz buoch von guoter spîse, Frankfurt a. M. 1994. Online-Text: http://turba-delirantium.skyrocket.de/bibliotheca/anonymus_buochvonguoterspise.htm (01.06.2012)" id="return-note-743-7" href="#note-743-7"><sup>7</sup></a>, geschrieben in den Jahren zwischen 1345 und 1354 von einem unbekannten Autor, der es mit den folgenden zum Lesen motivierenden Versen einleitete:</p>
<blockquote><p>Diz buoch sagt von guoter spise,<br />
Daz machet die unverrihtigen koeche wise.<br />
Ich wil uech underwisen<br />
von den kochespisen:<br />
der sin niht versten kan,<br />
der sol diz buoch sehen an,<br />
wie er groz gerihte kuenne machen<br />
von vil kleinen sachen.</p></blockquote>
<p>Gut hundert Jahre später entstand um 1460 das Werk des Meisters Hansen <a class="simple-footnote" title="Ehlert, Trude (Hrsg.): Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch, Frankfurt a. M. 1996." id="return-note-743-8" href="#note-743-8"><sup>8</sup></a>, eines Kochs am Hofe eines württembergischen Adligen, ebenfalls mit einleitenden Versen in Reimform:</p>
<blockquote><p>Wer ein guot muos wil haben<br />
das mach von sibennler sachen<br />
du muost haben milch, saltz und schmaltz,<br />
zugker, ayer und mel<br />
saffran dar zu<br />
So wirt es gell.</p></blockquote>
<p>Diese mittelalterliche Kochanweisung wird bis heute – wenn auch etwas modifiziert – in deutschen Kindergärten und Sandkisten in dem Lied „Backe, backe Kuchen&#8230;“ vielfach zitiert.</p>
<p>Wenige Jahre nach der Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern entstand 1485 in Nürnberg  die <em>Kuchenmaistrey</em> als eines der ersten gedruckten deutschsprachigen Kochbücher. Mit dem Kochbuchdruck fanden die mittelalterlichen Kochrezepte zunehmende Verbreitung in der bürgerlichen Bevölkerung der Städte. Bis 1500 waren bereits dreizehn Auflagen des erfolgreichen Kochbuches gedruckt und verkauft. Die letzte Auflage dieses langlebigen „Bestsellers“ erschien noch fast 200 Jahre später. <a class="simple-footnote" title="Ehlert, Trude (Hrsg.): Küchenmeisterei. Edition, Übersetzung und Kommentar zweier Kochbuch-Handschriften des 15. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, 2010, S. 7. Digitalisat der Augsburger Kuchenmaistrey von 1507: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00009309/images/ (07.08.2012)" id="return-note-743-9" href="#note-743-9"><sup>9</sup></a></p>
<p>Eine Besonderheit der <em>Kuchenmaistrey</em> war die thematische Gliederung: Fastenspeisen, Fleischspeisen, Eierspeisen, Saucen und Senf, die Verwendung von Essig und die Erste Hilfe für den verdorbenen Magen. Die in dem Buch vorgegebene Ordnung diente offenbar nicht nur zum leichteren Auffinden der Rezepte, sondern kann auch als Ratgeber zu einer – im christlichen Sinne – „ordentlichen“, aber auch einer gesunden Lebensführung verstanden werden.</p>
<p>Mittelalterliche Kochbücher können uns neben den Kochanweisungen auch Auskünfte über das soziale Gefüge der mittelalterlichen Gesellschaft geben. <a class="simple-footnote" title="Aichholzer, S. 19f." id="return-note-743-10" href="#note-743-10"><sup>10</sup></a> Die Vielzahl der überlieferten deutschsprachigen Kochbücher spiegelt die Bedeutung der „gehobenen“ Küche in Kreisen des Adels und des aufstrebenden Bürgertums wider.</p>
<p><strong>Festtage und Fasttage<br />
</strong>Die zahlreichen und häufig zitierten Zeugnisse und Überlieferungen mittelalterlicher Tafelfreuden beziehen sich auf Feste, bei denen sich der Gastgeber nicht lumpen ließ. Das Sattessen gehörte im Mittelalter zum Fest, also einem Ereignis, das nicht alltäglich war. Die überlieferten Quellen berichten zumeist aber über das Außergewöhnliche, nicht über den normalen Alltag. Von den Zeiten der Ernte und den winterlichen Schlachtwochen einmal abgesehen, war für die meisten Menschen in der übrigen Zeit des Jahres „Schmalhans Küchenmeister“. <a class="simple-footnote" title="Ebd., S. 12." id="return-note-743-11" href="#note-743-11"><sup>11</sup></a></p>
<p>Religiöse Vorschriften übten einen starken Einfluss auf die mittelalterlichen Essgewohnheiten aus. Im Spätmittelalter gab es etwa 150 Fastentage, Tage an denen keine Speisen aus Fleisch- oder Milchprodukten gegessen werden durften, – streng ausgelegte Fastenvorschriften verboten darüber hinaus den Genuss von Eiern. <a class="simple-footnote" title="Aichholzer, S. 54f." id="return-note-743-12" href="#note-743-12"><sup>12</sup></a> In der Fastenzeit mussten demnach alternative Gerichte auf den Tisch gebracht werden: Fleisch wurde durch Fisch ersetzt, Milch durch die sogenannte Mandelmilch – zerkleinerte, in Milch, Wasser oder Wein gekochte Mandeln. <a class="simple-footnote" title="Ebd., S. 56." id="return-note-743-13" href="#note-743-13"><sup>13</sup></a> Die mittelalterlichen Kochbücher zeugen von einer ausgeprägten Kreativität bei der Zubereitung fastenkonformer Ersatzspeisen. So gab es beispielsweise Anleitungen, wie man <em>wurst van fishen </em>machen konnte, nämlich indem man kleingehackte Fische gut gewürzt in Därme presste und in einem Weinsud kochte oder auch, wie man einen Wildbraten auf Fischbasis <a class="simple-footnote" title="Maister Hannsen, fol. 90 v. Zit. n. Ehlert, Trude (Hrsg.): Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch, Frankfurt a. M. 1996, S. 306." id="return-note-743-14" href="#note-743-14"><sup>14</sup></a> zubereiten konnte, der immerhin ähnlich aussah wie sein Vorbild aus Fleisch. Aus kleingehackten Fischen geformte Rebhühner <a class="simple-footnote" title="Aichholzer, S. 66." id="return-note-743-15" href="#note-743-15"><sup>15</sup></a> und Hasen <a class="simple-footnote" title="Maister Hannsen, fol. 85 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 301." id="return-note-743-16" href="#note-743-16"><sup>16</sup></a> oder auch Eier aus Mandelmilch <a class="simple-footnote" title="Maister Hannsen, fol. 19 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 235." id="return-note-743-17" href="#note-743-17"><sup>17</sup></a> sind weitere Beispiele für Imitationsgerichte zur Fastenzeit.</p>
<p>Für eine möglichst getreue Nachbildung der Ersatzspeisen setzten die Kochkünstler des Mittelalters verschiedene Färbemittel und Glasuren sowie Gewürze zur Geschmacksveränderung ein. Die Köche färbten Gerichte mit Eigelb und Mehl oder mit Safran gelb, mit Zwiebelschalen oder Rosinen braun, mit geriebenem Lebkuchen schwarzbraun, mit Obst- oder Beerensäften rot und mit Spinat oder Petersilie grün. <a class="simple-footnote" title="http://u01151612502.user.hostingagency.de/malexwiki/index.php/Schaugerichte(01.06.2012)" id="return-note-743-18" href="#note-743-18"><sup>18</sup></a> Auch wurde an Fastentagen Mus in allen möglichen Variationen zubereitet: Hanfmus, Holundermus, Kirschmus, Lauchmus, Petersilienmus, Pflaumenmus, Reismus, Veilchenmus und viele andere Arten von Mus mehr – die Phantasie der mittelalterlichen Köche kannte hier kaum Grenzen. <a class="simple-footnote" title="Aichholzer, S. 56." id="return-note-743-19" href="#note-743-19"><sup>19</sup></a></p>
<p><strong>Das Auge aß mit<br />
</strong>Die Köche des Mittelalters – insbesondere die bei Hofe arbeitenden – hatten neben dem Anspruch, schmackhafte und abwechslungsreiche Speisen auf den Tisch zu bringen, offenbar auch den Ehrgeiz, den Gästen an der Tafel auch einen optisch ansprechenden „Augenschmaus“ zu präsentieren und kreierten zu diesem Zweck wahre Wunderwerke an Festgerichten. Die Schaugerichte dienten der Unterhaltung der Gäste und sollten wohl auch den Reichtum des Gastgebers zum Ausdruck bringen.</p>
<p>Gebratenen Pfauen, Fasanen oder Schwänen wurde ihr vorher entferntes Federkleid wieder angesteckt und es wurden mit lebenden Vögeln gefüllte Pasteten serviert, die nach dem Anschnitt zur Überraschung der Gäste aus dem Pastetenteig flatterten. <a class="simple-footnote" title="http://u01151612502.user.hostingagency.de/malexwiki/index.php/Schaugerichte(01.06.2012)" id="return-note-743-20" href="#note-743-20"><sup>20</sup></a> Ein „Schweinskopf mit höllischen Flammen“ dürfte ebenfalls für einen bleibenden Eindruck an der Festtafel gesorgt haben, denn der Schlund des gebratenen Wild- oder Hausschweins wurde mit Branntwein getränkt und mit Hilfe eines glühenden Kieselsteins nach dem Servieren wie von Geisterhand entzündet. <a class="simple-footnote" title="Ebd." id="return-note-743-21" href="#note-743-21"><sup>21</sup></a> Auch das abenteuerliche Ei <a class="simple-footnote" title="Maister Hannsen, fol. 99 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 315." id="return-note-743-22" href="#note-743-22"><sup>22</sup></a> – ein aus vielen normalen Eiern und mit Hilfe zweier unterschiedlich großer Schweinsblasen geformtes und gekochtes riesiges Ei – wird wohl ebenso für nachhaltige Begeisterung an der mittelalterlichen Tafel gesorgt haben, wie ein ganzes gekochtes Huhn in einer Flasche mit engem Hals. <a class="simple-footnote" title="Maister Hannsen, fol. 88 v., 89 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 304f." id="return-note-743-23" href="#note-743-23"><sup>23</sup></a> Die Arbeitsanweisungen und Handgriffe zur Zubereitung dieser effektvollen Gerichte sind in den jeweiligen Kochrezepten detailliert beschrieben.</p>
<p>Weitere bekannte Schaugerichte sind aus einer Mischung aus Mandeln und Zucker geformte „weiße Igel“ mit Stacheln, Augen und Mund aus Mandeln. Für einen „schwarzen Igel“ ersetze man den Grundstoff Mandelbrei durch Rosinenmus und die Stachelimitationen bestanden aus schwarzen Gewürznelken. Sollte der Igel rot sein, wurde der Körper aus einer Feigen- und Zuckermischung geformt. Eine goldene Muskatnuss im Mund des Igels mache ihn gesund – <em>vnd ain goldein muscat gib jm jn den mund das ist dem Igel gesunt </em>–<em> </em>so fügte der Autor dieses Kochbuchs scherzhaft hinzu. <a class="simple-footnote" title="Maister Hannsen, fol. 18 v., 19 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 234f. Vgl. a. Aichholzer, S. 66." id="return-note-743-24" href="#note-743-24"><sup>24</sup></a></p>
<p>Diese und viele weitere Beispiele optisch ansprechender Gerichte aus den betrachteten Kochbüchern belegen, dass bereits im Mittelalter das Auge mit aß – zumindest an den festlichen Tafeln des Adels und des gehobenen Bürgertums.</p>
<p><strong>Standesgemäß speisen<br />
</strong>Soziale Unterschiede beim Essen und Trinken waren im Mittelalter sehr ausgeprägt. Gutes Essen war ein wichtiges Standes- und Statussymbol und spielte bei der Selbststilisierung der Oberschichten und ihrer Präsentation von Macht eine bedeutende Rolle. <a class="simple-footnote" title="Schubert., S. 249." id="return-note-743-25" href="#note-743-25"><sup>25</sup></a> Raffinierte Kochrezepte sollten in wohlhabenderen Kreisen sowohl für einen Gaumen- als auch einen Augenschmaus sorgen.</p>
<p>Trotz – oder gerade wegen – der sozialen Bedeutung des Essens gab es damals auch kritische Stimmen gegenüber opulentem und übermäßigem Genuss von Mahlzeiten. Die ungleiche Verteilung der Nahrung wird sicher ein Grund dafür gewesen sein, dass die Völlerei – in mittelhochdeutscher Sprache <em>vrâz</em> genannt – zu den sieben Todsünden zählte. Ein Völler wurde nach damaliger Vorstellung in der Hölle mit teuflischer, sicherlich nicht wohlschmeckender, Zwangsernährung gestraft – „er kam in Teufels Küche.“ <a class="simple-footnote" title="Ebd." id="return-note-743-26" href="#note-743-26"><sup>26</sup></a> Die soziale Differenzierung beim Essen wird auch durch die sprachlichen Unterscheidung der damals geläufigen Begriffe „Herrenspeise“ und „Bauernschmaus“ deutlich. <a class="simple-footnote" title="Aichholzer, S. 64." id="return-note-743-27" href="#note-743-27"><sup>27</sup></a> In klarer Abgrenzung zum Bauernstand wurden in adeligen und später auch in bürgerlichen Kreisen Speisen serviert, die den Bauern in der Regel nicht vergönnt waren.</p>
<p>„Das Huhn macht manchen zum Koch“ – so lautete ein mittelalterliches Sprichwort, weil auch die einfache Bevölkerung sich dieses Fleisch noch am ehesten leisten konnte. Hühner- und Geflügelgerichte werden in den mittelalterlichen Kochbüchern unter allen Fleischspeisen auch am häufigsten genannt. Auch Eierspeisen gehören zu den wichtigsten Gerichten des mittelalterlichen Speisezettels. Das Huhn konnte die sozialen Gegensätze im Bereich der Nahrung ein wenig abmildern, Geflügelgerichte und Eierspeisen waren in der gesamten Bevölkerung beliebt. <a class="simple-footnote" title="Ebd., S. 120ff." id="return-note-743-28" href="#note-743-28"><sup>28</sup></a> Dennoch: Der schon erwähnte vegetarische Brei – in mittelhochdeutscher Sprache <em>muos</em> – war das Hauptgericht der durchschnittlichen Bevölkerung und so hätten die Menschen damals eigentlich beten müssen: „Unser täglich Brot und unseren täglichen Brei gib uns heute.“ <a class="simple-footnote" title="Ebd., S. 82f." id="return-note-743-29" href="#note-743-29"><sup>29</sup></a></p>
<p><strong>Gesunde Ernährung – schon im Mittelalter?<br />
</strong>In der Einleitung zu dem gedruckten Kochbuch <em>Kuchenmaistrey</em> preist der Autor die gesundheitsfördernde Wirkung maßvoller Ernährung. Den in den Kochbüchern beschriebenen Speisen solle man sich <em>ordentlich vnnd zu rechter zeit</em> bedienen – eine klare Absage an die damals wohl ziemlich weit verbreitete Völlerei. Dem Leser wird weiterhin erklärt, dass <em>ein ordentlicher koch mit wol bereiter natúrlicher speiß ist hie in disser zeit der best artzt.</em> <a class="simple-footnote" title="Wagner: Küchenmeisterei (1490), fol. 1 v. Zit. n. Ehlert: Küchenmeisterei, S. 7." id="return-note-743-30" href="#note-743-30"><sup>30</sup></a> Den Zusammenhang zwischen der Kunst des Kochens und der Kunst des Heilens hatte ja Hugo von St. Viktor schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts festgestellt.</p>
<p>Die mittelalterliche Medizin war von der humoralpathologischen Harmonielehre geprägt, die bereits in der Antike entwickelt wurde: Um eine Harmonie des Körpers und der Seele des Menschen zu erreichen, war es nach damaliger Auffassung notwendig, dass die verschiedenen Säfte des Körpers – Schleim, rote Galle, schwarze Galle und Blut – in einer gut ausbalancierten Mischung vorhanden waren. Für eine gesunde Mischung der Körpersäfte konnte nach mittelalterlicher Diätlehre auch eine ausgewogene Ernährung maßgeblich beitragen. <a class="simple-footnote" title="Aichholzer, S. 38f." id="return-note-743-31" href="#note-743-31"><sup>31</sup></a> Gesundheitsbewusstes Essen war demnach auch im Mittelalter schon ein Thema.</p>
<p>Einigen Lebensmitteln wurden ganz spezielle Wirkungen zugeschrieben. So konnten Mandeln nach mittelalterlicher Auffassung die intellektuelle Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen – im Kochbuch des Meisters Eberhard heißt es, <em>sie machen wachßen das hirrn </em>und nützen den Menschen, <em>die so serr studirnn.</em> <a class="simple-footnote" title="Feyl, A.: Das Kochbuch Meister Eberhard. Ein Beitrag zur altdeutschen Fachliteratur, Diss. Freiburg im Br. 1963, Rezept Nr. 40, S. 94. Zit. n. Aichholzer, S. 42." id="return-note-743-32" href="#note-743-32"><sup>32</sup></a> Kochbücher, die in Klöstern – den „Denkfabriken“ des Mittelalters – entstanden sind, enthalten auffällig viele Rezepte auf Basis von Mandeln. Bis heute sind Nüsse und Mandeln auch ein wesentlicher Bestandteil des sogenannten „Studentenfutters“. <a class="simple-footnote" title="Vgl. Aichholzer,  Anm. 114., S. 42." id="return-note-743-33" href="#note-743-33"><sup>33</sup></a></p>
<p><strong>Mittelalterliche vs. moderne Küche – ein kurzes Fazit<br />
</strong>Im Spätmittelalter mussten rund  80 Prozent der Einkünfte eines durchschnittlichen Familieneinkommens für den Erwerb von Lebensmitteln ausgegeben werden <a class="simple-footnote" title="Schubert, S. 13." id="return-note-743-34" href="#note-743-34"><sup>34</sup></a> – heute sind es laut Auskunft des Statistischen Bundesamts nur noch 14 Prozent <a class="simple-footnote" title="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/Konsumausgaben/Konsumausgaben.html(17.04.2012)." id="return-note-743-35" href="#note-743-35"><sup>35</sup></a> Diese signifikante Veränderung ist auch darauf zurückzuführen, dass es seit dem Mittelalter grundlegende technische Neuerungen im Bereich der Nahrungsmittelproduktion gegeben hat.</p>
<p>Interessant ist aber auch, was trotz vieler moderner Veränderungen über die Jahrhunderte an mittelalterlichen Eigenarten der Kochkunst und Nahrungsaufnahme bis in die Gegenwart Bestand hat – auch wenn sich die ursprüngliche Intention offenbar stark gewandelt hat: So werden die Fastenregeln gegenwärtig zwar nicht mehr ganz so eng ausgelegt wie im Mittelalter, dennoch gilt der Freitag auch heute noch als „Fischtag“ und auch in der Fastenzeit vor Ostern üben sich die christlich geprägten Menschen des 21. Jahrhunderts wieder zunehmend im Verzicht beim Genuss von bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln – im Gegensatz zum Mittelalter allerdings eher auf freiwilliger Basis.</p>
<p>Der Ersatz von Fleisch ist auch bei der Zubereitung vegetarischer Gerichte von aktueller Bedeutung. Wie schon im Mittelalter, wird heute auch versucht – wenngleich aus einer ganz anderen Motivation heraus – mit eiweißhaltigen Grundprodukten, wie beispielsweise Tofu, verfeinert mit einer kreativen Würzung und Färbung, Fleischgerichte optisch und geschmacklich zu imitieren. Weitere moderne Täuschungsversuche lassen sich bei sogenanntem Formfleisch, wie „Chicken Nuggets“, „gekochtem Schinken“ aus verklebten Fleischfasern und auch im Käseimitat – dem sogenannten Analogkäse  – erkennen. Die Motive für diese Imitationen und der offenkundigen Verbrauchertäuschung liegen vermutlich in einer angestrebten Gewinnmaximierung der Lebensmittelindustrie begründet.</p>
<p>Igelförmige Speisen, die bereits in den mittelalterlichen Kochbüchern in ihren verschiedenen Variationen beschrieben wurden, erlebten in den 1950er und 1960er Jahren offenbar eine Renaissance in Gestalt der Käse- oder Mettigel an Party- und Festbuffets. Generell kann man wohl sagen, dass Schaugerichte in allen Epochen der festlichen Erhöhung und der Entrückung aus dem Alltag dienen sollten <a class="simple-footnote" title="Vgl. Aichholzer, S. 64." id="return-note-743-36" href="#note-743-36"><sup>36</sup></a> – und offenbar auch heute noch dienen, wie man an den aufwendig gestalteten Büffets in gehobenen Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen unschwer erkennen kann.</p>
<p>Die Bezeichnung „fürstliches Mahl“ wenden wir immer noch für Gerichte gehobenen Standards an. Auch sind heutzutage zum Teil deutliche soziale Unterschiede und Abgrenzungen bei den Essgewohnheiten auszumachen: Gourmettempel, Luxusrestaurants und Naturprodukte aus biologischem Anbau für Geschäftsleute und Gutverdiener; Lebensmitteldiscounter, Fast-Food-Restaurants und industriell hergestellte Lebensmittel für die Unterschichten mit geringem Einkommen – wobei hier die Grenzen in unserer pluralistischen Gesellschaft im Gegensatz zur starren mittelalterlichen Ständegesellschaft eher fließend zu sehen sind.</p>
<p>Neben den Grundlagen einer gesundheitsbewussten Ernährung gab es im Mittelalter offenbar aber auch schon Ansätze für eine schnelle Nahrungsaufnahme unterwegs, wie wir sie heute in Form von Schnellimbissen kennen. So wurde in einer Urkunde von 1378  <em>Chunrat der choch vor prukk</em> erwähnt. <a class="simple-footnote" title="Regensburger Urkundenbuch, 29. November 1378." id="return-note-743-37" href="#note-743-37"><sup>37</sup></a> Die Brücke, an der Konrad der Koch damals wirkte, ist die „Steinerne Brücke“, die in Regensburg über die Donau führt. Konrads damalige Garküche an der Donaubrücke ist heute noch in Betrieb und wird – wenn auch nicht ganz unumstritten – als älteste Wurstbraterei der Welt bezeichnet. Die mittelalterlichen Garküchen als Vorläufer der heutigen Imbissketten zu sehen, wäre vielleicht etwas zu weit gegriffen – aber Tendenzen sind durchaus zu erkennen.</p>
<p>Trotz aller kulinarischen Raffinesse mittelalterlicher Gerichte, wie sie in den überlieferten mittelalterlichen Kochbüchern beschrieben steht: Wer heute ein möglichst authentisches mittelalterliches Gericht essen möchte, dem empfiehlt der Historiker Ernst Schubert († 2006), einen mit Wasser zubereiteten, ungezuckerten, grobkörnigen Haferbrei – das verbreitetste  Gericht im deutschen Mittelalter – zu probieren. Angesichts populärer Auffassungen und entsprechender „Mittelalter-Events“ und gastronomischer Angebote, wie z.B. „Tafeln wie im Mittelalter“, fällt es aber sicherlich schwer sich „statt Menschen, denen der Bratensaft nur so in die Bärte träufelte“, die überwiegende Mehrzahl mittelalterlichen Menschen beim Löffeln und Kauen des eher unspektakulären Haferbreis vorzustellen. <a class="simple-footnote" title="Schubert, S. 11f." id="return-note-743-38" href="#note-743-38"><sup>38</sup></a></p>
<p><strong>Quellen und Literatur</strong></p>
<p>Aichholzer, Doris: „Wildu machen ayn guet essen&#8230;“, Bern 1999.<strong> </strong></p>
<p>Ehlert, Trude (Hrsg.): Küchenmeisterei. Edition, Übersetzung und Kommentar zweier Kochbuch-Handschriften des 15. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 2010.</p>
<p>Ehlert, Trude (Hrsg.): Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch, Frankfurt a. M. 1996.</p>
<p>Hajek, Hans; Kupfer, Artur; Ehlert, Trude (Hrsg.): Daz buoch von guoter spîse,<br />
Frankfurt a. M. 1994.</p>
<p>Schubert, Ernst: Essen und Trinken im Mittelalter, Darmstadt 2006.</p>
<div class="simple-footnotes"><p class="notes">Notes:</p><ol><li id="note-743-1">Schubert, Ernst: Essen und Trinken im Mittelalter, Darmstadt 2006, S. 13. <a href="#return-note-743-1">&#8617;</a></li><li id="note-743-2">Ebd., S. 27. <a href="#return-note-743-2">&#8617;</a></li><li id="note-743-3">Ebd., S. 249. <a href="#return-note-743-3">&#8617;</a></li><li id="note-743-4">Aichholzer, Doris: „Wildu machen ayn guet essen&#8230;“, Bern 1999, S. 14. <a href="#return-note-743-4">&#8617;</a></li><li id="note-743-5">Ebd., S. 19f. <a href="#return-note-743-5">&#8617;</a></li><li id="note-743-6">Schubert, S. 298. <a href="#return-note-743-6">&#8617;</a></li><li id="note-743-7">Hajek, Hans; Kupfer, Artur; Ehlert, Trude (Hrsg.): Daz buoch von guoter spîse, Frankfurt a. M. 1994. Online-Text: <a href="http://turba-delirantium.skyrocket.de/bibliotheca/anonymus_buochvonguoterspise.htm">http://turba-delirantium.skyrocket.de/bibliotheca/anonymus_buochvonguoterspise.htm</a> (01.06.2012) <a href="#return-note-743-7">&#8617;</a></li><li id="note-743-8">Ehlert, Trude (Hrsg.): Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch, Frankfurt a. M. 1996. <a href="#return-note-743-8">&#8617;</a></li><li id="note-743-9">Ehlert, Trude (Hrsg.): Küchenmeisterei. Edition, Übersetzung und Kommentar zweier Kochbuch-Handschriften des 15. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, 2010, S. 7. Digitalisat der Augsburger <em>Kuchenmaistrey </em>von 1507: <a href="http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00009309/images/">http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00009309/images/</a> (07.08.2012) <a href="#return-note-743-9">&#8617;</a></li><li id="note-743-10">Aichholzer, S. 19f. <a href="#return-note-743-10">&#8617;</a></li><li id="note-743-11">Ebd., S. 12. <a href="#return-note-743-11">&#8617;</a></li><li id="note-743-12">Aichholzer, S. 54f. <a href="#return-note-743-12">&#8617;</a></li><li id="note-743-13">Ebd., S. 56. <a href="#return-note-743-13">&#8617;</a></li><li id="note-743-14">Maister Hannsen, fol. 90 v. Zit. n. Ehlert, Trude (Hrsg.): Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch, Frankfurt a. M. 1996, S. 306. <a href="#return-note-743-14">&#8617;</a></li><li id="note-743-15">Aichholzer, S. 66. <a href="#return-note-743-15">&#8617;</a></li><li id="note-743-16">Maister Hannsen, fol. 85 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 301. <a href="#return-note-743-16">&#8617;</a></li><li id="note-743-17">Maister Hannsen, fol. 19 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 235. <a href="#return-note-743-17">&#8617;</a></li><li id="note-743-18"><a href="http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Schaugerichte">http://u01151612502.user.hostingagency.de/malexwiki/index.php/Schaugerichte</a>(01.06.2012) <a href="#return-note-743-18">&#8617;</a></li><li id="note-743-19">Aichholzer, S. 56. <a href="#return-note-743-19">&#8617;</a></li><li id="note-743-20"><a href="http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Schaugerichte">http://u01151612502.user.hostingagency.de/malexwiki/index.php/Schaugerichte</a>(01.06.2012) <a href="#return-note-743-20">&#8617;</a></li><li id="note-743-21">Ebd. <a href="#return-note-743-21">&#8617;</a></li><li id="note-743-22">Maister Hannsen, fol. 99 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 315. <a href="#return-note-743-22">&#8617;</a></li><li id="note-743-23">Maister Hannsen, fol. 88 v., 89 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 304f. <a href="#return-note-743-23">&#8617;</a></li><li id="note-743-24">Maister Hannsen, fol. 18 v., 19 r. Zit. n. Ehlert, Maister Hannsen, S. 234f. Vgl. a. Aichholzer, S. 66. <a href="#return-note-743-24">&#8617;</a></li><li id="note-743-25">Schubert., S. 249. <a href="#return-note-743-25">&#8617;</a></li><li id="note-743-26">Ebd. <a href="#return-note-743-26">&#8617;</a></li><li id="note-743-27">Aichholzer, S. 64. <a href="#return-note-743-27">&#8617;</a></li><li id="note-743-28">Ebd., S. 120ff. <a href="#return-note-743-28">&#8617;</a></li><li id="note-743-29">Ebd., S. 82f. <a href="#return-note-743-29">&#8617;</a></li><li id="note-743-30">Wagner: Küchenmeisterei (1490), fol. 1 v. Zit. n. Ehlert: Küchenmeisterei, S. 7. <a href="#return-note-743-30">&#8617;</a></li><li id="note-743-31">Aichholzer, S. 38f. <a href="#return-note-743-31">&#8617;</a></li><li id="note-743-32">Feyl, A.: Das Kochbuch Meister Eberhard. Ein Beitrag zur altdeutschen Fachliteratur, Diss. Freiburg im Br. 1963, Rezept Nr. 40, S. 94. Zit. n. Aichholzer, S. 42. <a href="#return-note-743-32">&#8617;</a></li><li id="note-743-33">Vgl. Aichholzer,  Anm. 114., S. 42. <a href="#return-note-743-33">&#8617;</a></li><li id="note-743-34">Schubert, S. 13. <a href="#return-note-743-34">&#8617;</a></li><li id="note-743-35"><a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/Konsumausgaben/Konsumausgaben.html">https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/Konsumausgaben/Konsumausgaben.html</a>(17.04.2012). <a href="#return-note-743-35">&#8617;</a></li><li id="note-743-36">Vgl. Aichholzer, S. 64. <a href="#return-note-743-36">&#8617;</a></li><li id="note-743-37">Regensburger Urkundenbuch, 29. November 1378. <a href="#return-note-743-37">&#8617;</a></li><li id="note-743-38">Schubert, S. 11f. <a href="#return-note-743-38">&#8617;</a></li></ol></div>]]></content:encoded>
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		<title>Gottesgnadentum und weltlicher Machtanspruch</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Oct 2012 12:13:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Regensburger Sakramentar]]></category>

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		<description><![CDATA[Heinrich sei „aus vielerlei Gründen ungeeignet“ für die Königswürde gewesen. Dieser Auffassung waren die meisten Fürsten des Reiches während der feierlichen Bestattung des im Jahre 1002 frühzeitig verstorbenen, kinderlosen Kaisers Otto III. Trotz der überwiegenden Ablehnung aus Kreisen der Reichsfürsten &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=726">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(HRR)" target="_blank"><img class="alignleft" title="Krönungsbild Heinrichs II." src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Kronung_Heinrich_II.jpg" alt="" width="300" height="397" /></a>Heinrich sei „aus vielerlei Gründen ungeeignet“ für die Königswürde gewesen. Dieser Auffassung waren die meisten Fürsten des Reiches während der feierlichen Bestattung des im Jahre 1002 frühzeitig verstorbenen, kinderlosen Kaisers Otto III.</p>
<p>Trotz der überwiegenden Ablehnung aus Kreisen der Reichsfürsten ist es dem bayerischen Herzog Heinrich IV. einige Monate später dennoch gelungen als Heinrich II. den Königsthron zu besteigen. König Heinrich II. wurde 1014 in Rom auch zum Kaiser gekrönt. Im Jahre 1024, nach 22 Jahren Königs- und Kaiserherrschaft, starb der letzte Herrscher aus der Dynastie der Ottonen.</p>
<p>Wie Heinrich II. sich trotz des anfänglichen Widerstandes vieler Fürsten des Reiches gegen seine Mitbewerber durchsetzen und behaupten konnte, wird in der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg ausführlich beschrieben. Auch die beiden Herrscherbilder Heinrichs II. in dem von ihm gestifteten Sakramentar  können uns einigen Aufschluss über den Herrschaftsanspruch und die Herrschaftslegitimation aus der Sichtweise Heinrichs und seiner Anhänger geben. Die Bilder enthalten verschiedene sakrale und weltliche Bedeutungsebenen aus denen der Herrschaftsanspruch Heinrichs hergeleitet werden kann.</p>
<p><em>In dem folgenden Aufsatz werden die Herrscherbilder Heinrichs II. aus dem Regensburger Sakramentar beschrieben und deren verschiedene Bedeutungsebenen betrachtet. Ein eigenes Kapitel widmet sich der Bedeutung der Heiligen Lanze bei der Inthronisierung Heinrichs II. im Jahre 1002:</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #0066cc;"><a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/10/HA_Peter_Rose_Herrscherbilder_HeinrichII.pdf" target="_blank">Gottesgnadentum und weltlicher Machtanspruch Heinrichs II.</a></span></span><br />
<a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/10/HA_Peter_Rose_Herrscherbilder_HeinrichII.pdf" target="_blank"><img title="PDF Download" src="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/07/pdf_icon1.jpg" alt="" width="50" height="52" /></a><br />
(Download PDF, 2,46 MB)</p>
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		<title>Social Media für Historiker</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Sep 2012 12:19:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Historikertag]]></category>

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		<description><![CDATA[Social Media gewinnt auch bei den Historikern zunehmend an Bedeutung: Auf dem diesjährigen Historikertag in Mainz wurde diesem Themenkomplex ein breiter Raum gegeben. In der Sektion Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele gab es am 26.09.2012 zahlreiche Vorträge &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=691">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Social Media gewinnt auch bei den Historikern zunehmend an Bedeutung:<br />
Auf dem diesjährigen Historikertag in Mainz wurde diesem Themenkomplex ein breiter Raum gegeben. In der Sektion <a title="Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele" href="http://www.historikertag.de/Mainz2012/de/programm/wissenschaftliches-programm/sektionen/einzelansicht/article/geschichtswissenschaft-digital-in-deutschland-und-frankreich-tendenzen-strategien-beispiele.html" target="_blank">Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele</a> gab es am 26.09.2012 zahlreiche Vorträge zu innovativen digitalen Projekten verschiedener geschichtswissenschaftlicher Einrichtungen.</p>
<p>In seinem Blog <a title="Historisch denken | Geschichte machen" rel="home" href="http://historischdenken.hypotheses.org/1023" target="_blank">Historisch denken | Geschichte machen</a> berichtet Christoph Pallaske von den interessanten Vorträgen in der Kategorie eHumanities.</p>
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		<title>Umwandererzentralstelle des Reichssicherheitshauptamtes</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Sep 2012 18:27:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[1933-45]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jhdt.]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[NS]]></category>
		<category><![CDATA[Polen]]></category>
		<category><![CDATA[Umwandererzentralstelle]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem militärischen Sieg über Polen am 6. Oktober 1939 wurden die westlichen Gebiete Polens dem Deutschen Reich angegliedert. Die hier beheima­teten Polen wurden teilweise so­fort in Richtung Osten vertrieben, die polnische Führungsschicht wurde in Konzentrationsla­ger verbracht oder gleich ermordet. &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=667">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Bundesarchiv_R_49_Bild-0131%2C_Aussiedlung_von_Polen_im_Wartheland.jpg" target="_blank"><img class=" alignleft" title="Aussiedlung von Polen im Wartheland, 1939 - Bundesarchiv, R 49 Bild-0131 / CC-BY-SA" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Bundesarchiv_R_49_Bild-0131%2C_Aussiedlung_von_Polen_im_Wartheland.jpg" alt="Aussiedlung von Polen im Wartheland, 1939 - Bundesarchiv, R 49 Bild-0131 / CC-BY-SA" width="350" height="240" /></a>Nach dem militärischen Sieg über Polen am 6. Oktober 1939 wurden die westlichen Gebiete Polens dem Deutschen Reich angegliedert. Die hier beheima­teten Polen wurden teilweise so­fort in Richtung Osten vertrieben, die polnische Führungsschicht wurde in Konzentrationsla­ger verbracht oder gleich ermordet.</p>
<p>Die zurückbleibende einheimische Bevölkerung war weitestgehend rechtlos der Willkür deutscher Behörden ausgesetzt. Deutsch wurde die ein­zige Amtsspra­che, alle polnischen Orts- und Straßennamen wurden durch deutsche Namen ersetzt. In den angegliederten Gebieten wurden polnische Schulen, Theater, Museen, öffentliche Bibliothe­ken, Buch- und Zeitungshandlungen und alle anderen kulturellen Einrichtungen geschlossen und der Gebrauch der polnischen Sprache verboten.</p>
<p>Die neu gegründeten Reichsgaue wurden als „Exerzierplatz für den Nationalsozialismus“ angesehen und es sollte auf der Grundlage der rassisti­schen  NS-Ideologie  eine deutsche und nationalsozialistische Mustergesellschaft entste­hen. Um dieses Ziel zu erreichen, war es aus Sicht der Planer notwendig, deutsche Minderheiten aus Osteuropa, die soge­nannten „Volks­deutschen“, in den neuen Reichsgebieten anzusiedeln.  Die Assimilierung der polnischen Be­völkerung war grundsätzlich nicht erwünscht, denn die Polen galten in der NS-Ideologie als rassisch minderwertig und sollten lediglich als billiges Arbeitskräftereservoir ausgebeutet werden.</p>
<p>Den Rahmen dieser brutalen Besatzungspolitik steckte der „Führer“ und Reichskanzler Adolf Hitler am 17. Oktober 1939 vor Vertretern des Oberkommandos der Wehrmacht und der Reichsministe­rien ab:  Es müsse ein „harter Volkstumskampf“ geführt werden, der „keine gesetzlichen Bindungen“ gestatte. Restpolen, das sogenannte Generalgouvernement, solle es ermöglichen „das alte und neue Reichsgebiet zu säubern von Juden, Polacken und Gesindel“, so der deutsche Reichskanzler.</p>
<p>Diese in den Augen der NS-Führung notwendige „rassische Flurbereinigung“ wurde unter der Federführung des am 7. Oktober 1939 zum Reichskommissar zur Festigung des deutschen Volkstums ernannten Reichsführers SS Heinrich Himmler geplant und organisiert. Himmler sah die Weiten des Ostens als Aufnahmegebiet eines stetigen Stroms junger, arischer Menschen an. Sie sollten als Bauernfamilien das „deutsche Wesen“ und die „deutsche Effektivität“ immer weiter nach Osten tragen.<a href="#_ftn6"></a> Die nationalsozialistische Planung sah von West nach Ost einen deutschen, einen polnischen und einen jüdischen Siedlungsgür­tel im deutsch besetzten Teil Polens vor.<a href="#_ftn7"> </a></p>
<p>Um Platz für die Volksdeutschen zu schaffen, ordnete Himmler am 30. Oktober 1939 an, dass in den folgenden vier Monaten alle 550.000 Juden und „eine noch vorzuschlagende An­zahl besonders feindlicher polnischer Bevölke­rung“ aus den an­nektierten polnischen Westge­bieten abgeschoben werden sollten. Insgesamt rechnete Himmler hier mit einer Anzahl von mehr als einer Million umzusiedelnder Men­schen.<a href="#_ftn8"></a></p>
<p><em>Im folgenden Aufsatz wird die Rolle und Bedeutung der Umwandererzentralstelle für die seit September 1939 rasch einsetztende Eskalation von einer Umsiedlungs- und Vertreibungspolitik zur Vernichtungspolitik der NS-Herrscher im deutsch besetzten Polen näher beleuchtet.</em></p>
<p><a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/09/HA_Peter_Rose_Umwanderzentralstelle_RSHA.pdf">Die Umwandererzentralstelle des Reichssicherheitshauptamtes<br />
<img class="alignleft size-full wp-image-272" title="PDF Download" src="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/07/pdf_icon1.jpg" alt="" width="50" height="52" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Download PDF, 124 kB)</p>
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		<title>Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen 1944/45</title>
		<link>http://sauseschritt.net/?p=638</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Sep 2012 16:24:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[1933-45]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jhdt.]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht und Vertreibung]]></category>
		<category><![CDATA[NS]]></category>
		<category><![CDATA[Ostpreußen]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Armee]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Für den größten Teil der ostpreußischen Bevölkerung schien der Zweite Weltkrieg bis zum Sommer 1944 noch weit entfernt. Im Gegensatz zu den vom Luftkrieg heimgesuchten westlich gelegeneren Städten und Gebieten wirkte die östlichste Provinz des Deutschen Reiches bis zu diesem &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=638">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Bundesarchiv, Bild 146-1990-001-30 / CC-BY-SA" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/39/Bundesarchiv_Bild_146-1990-001-30%2C_Fl%C3%BCchtlingstreck.jpg" alt="" width="350" height="241" />Für den größten Teil der ostpreußischen Bevölkerung schien der Zweite Weltkrieg bis zum Sommer 1944 noch weit entfernt. Im Gegensatz zu den vom Luftkrieg heimgesuchten westlich gelegeneren Städten und Gebieten wirkte die östlichste Provinz des Deutschen Reiches bis zu diesem Zeitpunkt wie eine „Oase der Ruhe“ am Rande des Kriegsgeschehens.  Mit dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ bei Rastenburg rückte Ostpreußen erstmalig in das Zentrum kriegsbedeutender Ereignisse. Einen Monat später wurde Ostpreußen dann auch zum Kriegsschauplatz: Ende August wurden große Teile von Königsberg durch nächtliche Luftangriffe der britischen Royal Air Force zerstört. Mit kurzen Unterbrechungen blieb Ostpreußen bis zum Kriegsende ein Brennpunkt im sogenannten „Endkampf“ der deutschen Wehrmacht an der Ostfront – mit verheerenden Folgen für die kämpfenden Truppen und insbesondere für die Zivilbevölkerung.</p>
<p>Nachdem Einheiten der sowjetischen Roten Armee bereits im Oktober 1944 tief auf ostpreußisches Gebiet vorgedrungen waren und von der Wehrmacht zunächst wieder zurückgeworfen werden konnten, verließ Hitler am 20. November die „Wolfsschanze“ endgültig.   Einen Monat später, am Heiligabend 1944, ignorierte der „Führer“ die Warnungen seiner militärischen Berater vor einer unmittelbar bevorstehenden Großoffensive der Roten Armee mit den Worten „Das ist der größte Bluff seit Dschingis Khan! […] Ich bin fest überzeugt, daß im Osten nichts passiert.“  Wie so oft, irrte Hitler auch hier – am 13. Januar 1945 begannen 1,6 Millionen gut bewaffnete sowjetische Soldaten ihren Sturm auf Ostpreußen.</p>
<p>Von dem nun folgenden Elend, das die ostpreußische Bevölkerung während und nach der Flucht und Vertreibung erleiden musste, wollten die meisten Deutschen nach dem verlorenen Krieg zunächst nicht mehr viel wissen. Seit den 1960er Jahren, in der Zeit des Kalten Krieges und des bundesrepublikanischen Wirtschaftswunders, verblasste die Erinnerung an das nun historische Ostdeutschland mehr und mehr. Vertriebene galten pauschal als Revanchisten und unter den deutschen Intellektuellen in der Bundesrepublik und auch in der DDR war es verpönt, sich mit der Flucht und Vertreibung der Deutschen auseinanderzusetzen.</p>
<p><em>Mehr über den Zusammenhang zwischen totalitärer Kriegspropaganda und menschlichen Tragödien am Beispiel der Flucht und Vertreibung von Millionen Menschen aus Ostpreußen im Winter 1944/45 können Sie in dem  folgenden Aufsatz lesen: </em></p>
<p><a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/09/HA_Peter_Rose_Flucht_und_Vertreibung_aus_Ostpreussen.pdf" target="_blank">Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen 1944/45 &#8211; Totalitäre Kriegspropaganda und menschliche Tragödien</a><br />
<a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/09/HA_Peter_Rose_Flucht_und_Vertreibung_aus_Ostpreussen.pdf" target="_blank"><img title="PDF Download" src="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/07/pdf_icon1.jpg" alt="" width="50" height="52" /></a><br />
(Download PDF, 168 kB)</p>
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		<title>Wohnungselend in Berlin während der Urbanisierung</title>
		<link>http://sauseschritt.net/?p=590</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Sep 2012 09:05:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[19. Jhdt.]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Kaiserreich]]></category>
		<category><![CDATA[Mietskasernen]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Frage]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungselend]]></category>

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		<description><![CDATA[In seinem Erfahrungsbericht von einem Besuch in einer Mietskaserne im Berliner Stadtteil Wedding beschreibt der damalige Journalist Albert Südekum die Wohn- und Lebensverhältnisse einer Arbeiterfamilie zur Zeit der Urbanisierung im Deutschen Kaiserreich. Er begleitete an einem heißen und schwülen Augusttag &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=590">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1983-0225-309,_Wohnungselend.jpg?uselang=de" target="_blank"><img class=" alignleft" title="Bundesarchiv, Bild 183-1983-0225-309 / CC-BY-SA In dieser Wohnung, bestehend aus einem Zimmer und einer Küche, lebten zu Beginn des 20. Jhdts. 11 Personen" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/98/Bundesarchiv_Bild_183-1983-0225-309%2C_Wohnungselend.jpg" alt="Bundesarchiv, Bild 183-1983-0225-309 / CC-BY-SA In dieser Wohnung, bestehend aus einem Zimmer und einer Küche, lebten zu Beginn des 20. Jhdts. 11 Personen" width="350" height="247" /></a>In seinem Erfahrungsbericht von einem Besuch in einer Mietskaserne im Berliner Stadtteil Wedding beschreibt der damalige Journalist Albert Südekum die Wohn- und Lebensverhältnisse einer Arbeiterfamilie zur Zeit der<br />
Urbanisierung im Deutschen Kaiserreich. Er begleitete an einem heißen und schwülen Augusttag in der Mitte der 1890er Jahre einen befreundeten Arzt bei einem Krankenbesuch in eine Wohnung. Die Patientin wohnte mit ihrer fünfköpfigen Familie im dritten Stock eines Hinterhauses. Aus Geldmangel musste das einzige Zimmer der Wohnung untervermietet werden, so dass der Familie nur die Küche zum Wohnen blieb.</p>
<p>Während der Arzt seine Patientin untersuchte, machte Südekum seine Notizen über die Wohnsituation der Familie. Er beschreibt die ärmliche Ausstattung der Wohnküche bis ins Detail. In der Küche lebten außer der Frau noch drei Kinder sowie der Ehemann, der Gelegenheitsarbeiter war. Südekum berichtet von der ländlichen Herkunft der Familie und von den zahlreichen Umzügen der Familie innerhalb der Großstadt. Durch Krankheiten und Fehl- oder Totgeburten wurde die Familie immer wieder zurückgeworfen.</p>
<p>Der Bericht der kranken Frau über die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse der Familie – sie hatten nur ein einziges Bett – ließ die Erkrankte fast verzweifeln. Ihr Ehemann war schon seit einigen Tagen kaum in der Wohnung; er zog es vor, bei der großen Hitze außer Haus zu schlafen. Die Frau konnte den Lärm und die brütende Hitze<br />
in der Wohnung nicht mehr ertragen; sie fürchtete den Verstand zu verlieren und<br />
sich das Leben zu nehmen.<span id="more-590"></span></p>
<p>Südekum berichtet sehr anschaulich von seiner „ersten Forschungsreise in das dunkle Land der Berliner Armenwohnungen“. Er beschreibt ein „menschenreiches Massenmietshaus“ in der Nähe der Reinickendorfer Straße im Wedding. Berlin hatte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts zur größten Mietskasernenstadt der Welt entwickelt und mit durchschnittlich 78 Bewohnern pro Wohngebäude lag die Behausungsziffer in Berlin weltweit deutlich über der anderer Großstädte.[1]</p>
<p>Der Journalist und der Arzt besuchten eine kranke Frau im dritten Stock eines Quergebäudes. Ein typisches Berliner Mietshaus setzte sich zusammen aus Vorderhaus, Seitenflügel und einem oder mehreren Quergebäuden, gruppiert waren die bis zu fünf Stockwerke der Gebäude um meist nur 5,60 Meter im Quadrat messende Lichthöfe &#8211; gerade einmal so groß, dass ein Löschfahrzeug darin wenden konnte.[2] Südekum berichtet von einer Kinderschar unterschiedlichen Alters, die lärmend im Hof spielte. Er beschreibt diese Kinder als „arme Großstadtpflanzen“, ganz im Gegensatz zur „glücklicheren Jugend des Dorfes“ &#8211; das Leben auf dem Lande hierbei wohl etwas idealisierend. Mit seiner pathetischen Schilderung über die „stagnierende Luft“, die „bleischwer“ im engen Hof lag und der „brütende[n] Hitze“, entstanden durch die seit Tagen von der Sonne gesandten „Glutpfeile“ vermittelt er einen Eindruck der damaligen klimatischen Situation im stickigen Hinterhof einer Berliner Mietskaserne.</p>
<p>Ebenso anschaulich wird der Weg durch das Treppenhaus über knarrende Stufen beschrieben und Südekum meint, dass der „herrschaftlich Wohnende“ sich diesen Lärm einem solchen Treppenhaus gar nicht vorstellen könne. Die Wohnungen waren damals in folgende Kategorien untergeteilt: „hochherrschaftlich“, „herrschaftlich“, “bürgerlich“, und „einfach“. Diese Klassifizierung berücksichtigte die Lage und Ausstattung der Wohnungen,<br />
sowie die Qualität der verwendeten Baumaterialien.[3] In den „einfachen“ Wohnungen wurden minderwertige Materialien, wie z.B. dünne Holzdielen verwendet, die schnell nachgaben und so knarrenden Lärm verursachten.</p>
<p>Südekum schreibt von drei Wohnungseingängen auf jedem Stockwerk, die „mit mehreren Schildern oder Karten behängt waren. Die meisten Wohnungen in diesem Quergebäude hatten nur zwei Räume, nämlich eine Stube und Küche. Das einzige Zimmer wurde teilweise an „Schlafburschen“ und „Logiermädchen“ untervermietet, um so die Mietkosten zu senken &#8211; daher auch die vielen Türschilder. In Berlin gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts 251.550 Einzimmerwohnungen mit 768.837 Bewohnern. Durch die Untervermietung an Schlafgänger wurde diese hohe Wohndichte noch weiter erhöht, so hatten um 1880 etwa 15 Prozent aller Haushalte in Berlin einen oder mehrere Schlafgänger in ihrer Wohnung.[4] Nach einer Erhebung in Berlin aus dem Jahre 1885, bei der die Wohnungsgrößen und Berufe der Mieter erfasst wurden,  wohnten 80 Prozent der ungelernten Arbeiter in Einzimmerwohnungen mit einer Küche oder Kammer.[5]</p>
<p>Auch in der aufgesuchten Wohnung war das einzige Zimmer „abvermietet“ worden, die fünfköpfige Familie lebte in der Küche, die sie ungefähr 8-9 Mark Miete im Monat kostete. Der Jahresverdienst eines ungelernten Arbeiters lag um die 900 Mark, eine Wohnung<br />
mit einem heizbaren Zimmer kostetet in Berlin 1895 etwa 230 Mark im Jahr, was ungefähr einem Viertel des Jahresbudgets eines Hilfsarbeiters entsprach. Fast die Hälfte<br />
des Jahresverdienstes wurde für Nahrung ausgegeben, so dass für Kleidung, Möbel<br />
und sonstige Bedürfnisse nur noch wenig Geld übrig blieb.[6]</p>
<p>Dies erklärt auch die Ausstattung der besuchten Wohnung, der Raum der Familie wird als ausgesprochen als unwohnlich beschrieben: Die Mutter lag mit einer Fußverletzung, die sie sich beim Zeitungsaustragen zugezogen hatte, im einzigen Bett des spärlich möblierten Raumes. Der Tisch war vollgepackt mit diversen Haushaltsutensilien und nicht gereinigtem Geschirr. Die Kleidung der Familie hing an den Wänden, in der Ecke standen noch eine Kommode, ein Korbsessel und zwei Schemel. Es war kaum möglich, einen Raum in dem gekocht, gegessen, geschlafen und gewaschen wurde, sauber und ordentlich zu halten. Der Arzt konstatierte, dass die Frau auf Grund der Lebenssituation ihrer Familie neben ihrer Verletzung zudem psychisch stark belastet war. Die schlechte Wohnsituation vieler Arbeiterfamilien war gekennzeichnet durch einen Mangel an Licht und Luft, durch<br />
Überhitzung im Sommer sowie Kälte und Ofenabgase im Winter. Der kondensierte<br />
Wasserdampf in den überbelegten Räumen begünstigte die Entstehung von Atemwegserkrankungen,führte aber auch zu Niedergeschlagenheit und Depressionen.[7]</p>
<p>Die Arbeit des Mannes, der als Flaschenspüler bei einem Bierverlag tätig war, wurde schlecht bezahlt. Im Allgemeinen reichte der Verdienst eines ungelernten Arbeiters nicht aus, eine Familie mit Kindern zu ernähren.[8] Wenn die Kinder etwas größer waren, mussten sie als Boten, Zeitungsverkäufer oder mit ähnlichen Tätigkeiten etwas zum Familienbudget dazuverdienen. Die Mütter übernahmen oft schlecht bezahlte Heimarbeit als Näherin oder aber Gelegenheitsarbeitenaußer Haus, wenn die Kinder aus dem Säuglingsalter heraus waren.</p>
<p>Die beschriebene Familie kam in der Mitte der 1880er Jahre aus einem Dorf in Pommern nach Berlin. Als Motiv für den Umzug in die Stadt gab die Frau an, dass ihr Mann ein „Sozialer“ war – also ein Sympathisant  der Sozialdemokraten – und dadurch „mit dem  Gutsbesitzer in Konflikt geraten war“. Neben körperlichen Züchtigungen der Gutsherren, die damals rechtmäßig waren, mussten sozialdemokratisch orientierte Landarbeiter staatliche Sanktionen auf Grund der bis 1890 geltenden Sozialistengesetze fürchten. Ein weiterer Grund für die „Landflucht“, insbesondere aus den agrarisch geprägten Gebieten östlich der Elbe, waren die schlechten Verdienstmöglichkeiten auf dem Lande.  In der Hoffnung auf ein materiell besseres und freieres Leben zog es die junge Landbevölkerung in die Städte und die expandierenden Industrieregionen des Deutschen Reiches. [9]</p>
<p>Südekum befragte die Frau nach ihren „Wohnschicksalen“ seit dem Wegzug der Familie vom Lande. Sie berichtete davon, dass die Familie etwa alle sechs Monate die Wohnung wechselte, und die Größe der bezogenen Wohnungen stark abhängig vom wechselnden Verdienst ihres Mannes war. Die innerstädtische Mobilität war in den Ballungsgebieten stark ausgeprägt, oftmals auf Grund kurzfristiger, häufig wechselnder Arbeitsstellen<br />
aber auch wegen der häufigen Mietrückstände und der Kündigung des Mietvertrages durch den Vermieter. In Berlin schwankten die jährlichen Wohnungswechsel im Zeitraum von 1879 bis 1894 zwischen 65 und 43 Prozent. Der Volksmund bemerkte damals: „Zehnmal umziehen ist wie einmal abgebrannt“.[10]</p>
<p>Zurück geworfen wurde die Familie außerdem mehrmals durch Früh- oder Totgeburten. Die Säuglingssterberate in Berlin lag zwischen  1891 und 1894 bei 24,2<br />
Totgeburten pro 100 Geburten[11] und dürfte in den Arbeiterquartieren mit den schlechten Wohnverhältnissen noch deutlich höher gelegen haben. Die beiden letzten lebend geborenen Kinder der Familie brachte die Mutter in der jeweils bewohnten Mietwohnung zur Welt – Hausgeburten waren damals nichts Außergewöhnliches.</p>
<p>Staatliche Armenunterstützung hatte die Familie bisher noch nicht in Anspruch genommen, stattdessen gab es gelegentlich finanzielle Hilfe von vermögenden Bekannten. Es ist anzunehmen, dass der Mann einer Jugendfreundin – ein ehemaliger Maurerpolier – durch den anhaltenden Boom in der Baubranche zu seinem Vermögen gekommen ist. Bemerkenswert ist, dass es damals überhaupt eine derartige Solidarität außerhalb der Familie gegeben hat.</p>
<p>Die Familie schlief umschichtig in dem einzigen Bett, die Kinder schliefen auf<br />
ausgebreiteter Kleidung auf dem Fußboden und durften erst in das warme Bett<br />
kriechen, wenn Vater und Mutter aufgestanden waren, was gewöhnlich „vor 5 Uhr<br />
morgens“ geschah. Das Tagewerk der Eltern als Flaschenspüler und Zeitungsausträgerin begann demnach in den frühen Morgenstunden. Die 14-jährige Tochter kümmerte sich währenddessen um den Haushalt und war zusätzlich stundenweise als „Ausläuferin“<br />
mit Botengängen beschäftigt, um den Verdienst der Familie aufzubessern.</p>
<p>In dieser schwierigen Situation der Familie ließ der Familienvater allerdings die notwendige Solidarität vermissen und war auch nach „Feierabend“ kaum zu Haus. Der meist unzureichende Verdienst der ungelernten Arbeiter löste oft eine dauernde Unzufriedenheit bei ihnen aus. Die Frauen wurden durch die Haushaltsführung, Kinderbetreuung und einer zusätzlichen Nebenbeschäftigung physisch und psychisch aufgerieben. So wurde die Ehe von Arbeiterfamilien oftmals auf eine harte Probe gestellt. Die Familienväter flüchteten nicht selten vor ihren  nervösen, schimpfenden Ehefrauen in eine der zahlreichen Berliner Eckkneipen, die damals ausschließlich männlichen Besuchern vorbehalten waren.[12]</p>
<p>Die von Albert Südekum beschriebenen elenden Wohn- und Lebensverhältnisse einer Arbeiterfamilie in einer Berliner Mietskaserne am Ende des 19. Jahrhunderts decken sich mit der neueren Forschungsliteratur. Anhand der dort ermittelten Zahlen und Fakten ist festzustellen, dass das Wohnschicksal der von Südekum beschriebenen Familie keine Ausnahme, sondern für die Familien von Hilfs- und Gelegenheitsarbeitern eher die Regel war. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Leben von Unterschichtfamilien damals von Kargheit und Verzicht, beengten und ungesunden Wohnverhältnissen sowie von Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Armut geprägt war.</p>
<p>Derartig beengte Wohnverhältnisse, wie sie zur Zeit der Urbanisierung anzutreffen waren, sind im Deutschland der Gegenwart wohl eher selten geworden &#8211; allerdings dürften die weiter stark steigenden Mietkosten den Geringverdienern heute ähnliche Sorgen bereiten, wie den Gelegenheitsarbeitern damals.</p>
<div>
<hr size="1" />
<p><span style="text-decoration: underline;">Quelle:</span></p>
<p>Albert Südekum: Großstädtisches Wohnungselend, S. 14-19, in: Großstadt Dokument, Bd. 45, in: Im Sittenspiegel der Großstadt, 4. Bd., Öffentliches und heimliches Berlin, hg. v.: Hans Ostwald, Berlin und Leipzig 1908.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Literatur:</span></p>
<p>Rosemarie Baier: Leben in der Mietskaserne. Zum Alltag Berliner Unterschichtsfamilien in den Jahren 1900 bis 1920, in: Gesine Asmus: Hinterhof, Keller und Mansarde. Einblicke in Berliner Wohnungselend 1901 – 1920, Reinbek 1982.</p>
<p>Franz Brüggemeier, Lutz Niethammer: Wie wohnten Arbeiter im Kaiserreich,  in: Archiv für Sozialgeschichte, Jg. 16 (1976).</p>
<p>Johann Friedrich Geist; Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus, Bd. 2, München 1984.</p>
<p>Werner Hegemann: 1930. Das steinerne Berlin ; Geschichte der größten Mietskasernenstadt der Welt. Geringfügig gekürzte Ausgabe der Originalfassung von 1930. Berlin 1963.</p>
<p>Ralf Thies: Ethnograph des dunklen Berlin. Hans Ostwald und die &#8220;Großstadt-Dokumente&#8221;, Köln 2006.</p>
<p>Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871 – 1918, Frankfurt am Main 2007.</p>
<p>Jörg Vögele: Sozialgeschichte städtischer Gesundheitsverhältnisse während der Urbanisierung, Berlin 2001.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Anmerkungen:</span></p>
<p>[1] Werner Hegemann: 1930. Das steinerne Berlin, S<strong>. </strong>19.</p>
</div>
<div>
<div>
<p>[2] Ebd., S. 230</p>
<p>[3] Johann Friedrich Geist; Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus, S. 270.</p>
<p>[4] Jörg Vögele: Sozialgeschichte städtischer Gesundheitsverhältnisse, S. 232.</p>
</div>
<div>
<p>[5] Franz Brüggemeier, Lutz Niethammer: Wie wohnten Arbeiter im Kaiserreich, S. 69.</p>
<p>[6] Ebd., S. 112.</p>
<p>[7] Ebd., S. 94.</p>
<p>[8] Ebd., S. 115.</p>
<p>[9] Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht, S. 136.</p>
<p>[10] Brüggemeier, Niethammer: Wie wohnten Arbeiter im Kaiserreich, S. 83-84.</p>
<p>[11] Vögele: Sozialgeschichte städtischer Gesundheitsverhältnisse, S. 135.</p>
<p>[12] Rosemarie Baier: Leben in der Mietskaserne, S.251.</p>
</div>
</div>
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		<title>Straßenraub im Spätmittelalter</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Aug 2012 15:50:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[15. Jhdt.]]></category>
		<category><![CDATA[Hanse]]></category>
		<category><![CDATA[Lübeck]]></category>
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		<category><![CDATA[Spätmittelalter]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf der Straße beraubt zu werden gehörte im späten Mittelalter zu den alltäglichen Risiken der Kaufleute und Reisenden. Auch wenn Wegelagereien und Überfälle nicht täglich geschahen, so konnten sie doch jederzeit stattfinden. Die Gefahr, die damals auf den Straßen lauerte, &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=539">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8e/Duerer_-_Ritter%2C_Tod_und_Teufel_%28Der_Reuther%29.jpg" target="_blank"><img class="alignleft" title="Ritter, Tod und Teufel - Albrecht Dürer, 1513" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/archive/8/8e/20120916125814%21Duerer_-_Ritter%2C_Tod_und_Teufel_%28Der_Reuther%29.jpg/460px-Duerer_-_Ritter%2C_Tod_und_Teufel_%28Der_Reuther%29.jpg" alt="Ritter, Tod und Teufel - Albrecht Dürer, 1513" width="300" height="383" /></a>Auf der Straße beraubt zu werden gehörte im späten Mittelalter zu den alltäglichen Risiken der Kaufleute und Reisenden. Auch wenn Wegelagereien und Überfälle nicht täglich geschahen, so konnten sie doch jederzeit stattfinden. Die Gefahr, die damals auf den Straßen lauerte, war den Kaufleuten und Reisenden damals etwa ebenso bewusst, wie den heutigen Menschen die Möglichkeit eines Verkehrsunfalls.</p>
<p>Dem Problem des Straßenraubes ist &#8211; neben vielen anderen Themen &#8211; in der Lübecker Ratschronik ein breiter Raum gegeben worden. In dieser offiziellen städtischen Schrift wurden von 1438 bis 1482 zahlreiche Ereignisse dokumentiert, die von politischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Interesse für die Hansestadt Lübeck waren.</p>
<p>Diese spätmittelalterliche Quelle kann vielleicht Antworten auf einige Fragen geben: Wie haben sich die Chronisten sich mit dem Thema Straßenraub auseinandergesetzt und die betreffenden Ereignisse dargestellt? Beim Lesen der Lübecker Ratschronik fällt auf, dass in den Berichten der Chronik keine klaren Grenzen zwischen einem unrechtmäßigen Raubüberfall und eines rechtmäßigen Raubzuges als Folge einer ritterlichen Fehde gezogen wurden, so dass weitere Fragen naheliegen: Haben die Chronisten hier vielleicht ganz bewusst Recht und Unrecht vermischt? Wenn ja, welche Absichten haben sie möglicherweise dabei verfolgt? Welcher Herkunft waren eigentlich die Straßenräuber? Hat die städtische Gerichtsbarkeit „gleiches Recht für alle“ gesprochen oder wurden adelige Straßenräuber vielleicht milder bestraft?</p>
<p><em>Mögliche Antworten auf diese Fragen und eine Darstellung des spätmittelalterlichen Straßenraubs auf hansischen Handelsstraßen in Norddeutschland finden Sie hier:</em></p>
<p><a title="wedder god recht unde ere - Straßenraub im spiegel der Lübecker Ratschronik" href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/09/HA_Peter_Rose_wedder-God_recht_unde_ere.pdf" target="_blank"><em>wedder God, recht unde ere</em> &#8211; Straßenraub im Spiegel der Lübecker Ratschronik</a><span style="color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: small;"><br />
<a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/09/HA_Peter_Rose_wedder-God_recht_unde_ere.pdf" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-272" title="PDF Download" src="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/07/pdf_icon1.jpg" alt="" width="50" height="52" /></a></span><a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/09/HA_Peter_Rose_wedder-God_recht_unde_ere.pdf" target="_blank"></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Download PDF, 210 kB)</p>
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		<title>Okkupation – Segregation – Konzentration – Deportation</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Aug 2012 13:52:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Rose</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[1933-45]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jhdt.]]></category>
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		<category><![CDATA[Judenverfolgung]]></category>
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		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[NS]]></category>
		<category><![CDATA[Vernichtungslager]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Weg der westeuropäischen Juden in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager „Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa vom Westen nach Osten durchkämmt.“ Um dieses monströse Vorhaben, das während der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 in Berlin beschlossen &#8230; <a href="http://sauseschritt.net/?p=446">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Weg der westeuropäischen Juden in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager</strong></p>
<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a6/Yellow_star_Juif.gif?uselang=de" target="_blank"><img class="alignleft" title="Judenabzeichen besetztes Frankreich - CC Olve Utne " src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a6/Yellow_star_Juif.gif?uselang=de" alt="CC Olve Utne " width="200" height="227" /></a>„Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa vom Westen nach Osten durchkämmt.“ Um dieses monströse Vorhaben, das während der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 in Berlin beschlossen und protokolliert wurde, umsetzen zu können, mussten auch in den besetzen Gebieten Westeuropas zunächst die organisatorischen und logistischen Voraussetzungen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ geschaffen werden. Nach der Lektüre des ihm zugesandten Protokolls der Wannsee-Konferenz schrieb Propagandaminister Joseph Goebbels in sein Tagebuch: „Die Judenfrage muß jetzt im gesamteuropäischen Rahmen gelöst werden.“ Nach einem Treffen mit Hitler machte Goebbels für den 20. März 1942 folgenden Eintrag: „Wir sprechen zum Schluß noch über die Judenfrage. Hier bleibt der Führer nach wie vor unerbittlich. Die Juden müssen aus Europa heraus, wenn nötig unter Anwendung der brutalsten Mittel.“ Eine Woche später vermerkte Goebbels in seinem Tagebuch, es werde „ein barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig.“ Für den 30. Mai 1942 notierte Goebbels, dass es das Ziel des Führers sei, „Westeuropa gänzlich judenfrei zu machen.“ An diesen Aufzeichnungen von Goebbels wird deutlich, wie sich das Gedankengut der NS-Führung bezüglich der „Endlösung“ der Judenfrage spätestens nach der Wannsee-Konferenz zunehmend radikalisiert hat und vor der Anwendung von „brutalsten Mitteln“ und „barbarischen Verfahren“ auch für die Juden aus dem besetzten Westeuropa nicht mehr zurückgeschreckt wurde.</p>
<div>
<p><em></em> Die deutsche Besetzung Westeuropas und die dort rasch einsetzende Judenverfolgung bis hin zur Deportation und Ermordung der westeuropäischen jüdischen Bevölkerung wirft viele Fragen auf: Wie haben die deutschen Besatzer die jüdische Bevölkerung in Westeuropa überhaupt identifiziert? Warum konnten in relativ kurzer Zeit so viele westeuropäische Juden verhaftet und in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt werden? Warum konnten die antijüdischen Maßnahmen und Gesetze in Ländern mit liberaler und demokratischer Tradition so schnell umgesetzt werden? Wer hat die notwendigen organisatorischen und logistischen Maßnahmen für die Deportationen geplant und durchgeführt?</p>
<p><em>Eine Anwort auf diese Fragen versucht der folgende Aufsatz zu geben, den Sie hier herunterladen können:<br />
</em><a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/08/HA_Peter_Rose_Okkupation-Segregation-Konzentration-Deportation.pdf" target="_blank"><img title="PDF Download" src="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/07/pdf_icon1.jpg" alt="" width="50" height="52" /></a><br />
<a href="http://sauseschritt.net/wp-content/uploads/2012/08/HA_Peter_Rose_Okkupation-Segregation-Konzentration-Deportation.pdf"><strong>Okkupation – Segregation – Konzentration – Deportation</strong><br />
Der Weg der westeuropäischen Juden in die nationalsozialistischen<br />
Konzentrations- und Vernichtungslager</a><br />
(Download PDF, 169 kB)</p>
</div>
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