Okkupation – Segregation – Konzentration – Deportation

Der Weg der westeuropäischen Juden in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager

CC Olve Utne „Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa vom Westen nach Osten durchkämmt.“ Um dieses monströse Vorhaben, das während der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 in Berlin beschlossen und protokolliert wurde, umsetzen zu können, mussten auch in den besetzen Gebieten Westeuropas zunächst die organisatorischen und logistischen Voraussetzungen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ geschaffen werden. Nach der Lektüre des ihm zugesandten Protokolls der Wannsee-Konferenz schrieb Propagandaminister Joseph Goebbels in sein Tagebuch: „Die Judenfrage muß jetzt im gesamteuropäischen Rahmen gelöst werden.“ Nach einem Treffen mit Hitler machte Goebbels für den 20. März 1942 folgenden Eintrag: „Wir sprechen zum Schluß noch über die Judenfrage. Hier bleibt der Führer nach wie vor unerbittlich. Die Juden müssen aus Europa heraus, wenn nötig unter Anwendung der brutalsten Mittel.“ Eine Woche später vermerkte Goebbels in seinem Tagebuch, es werde „ein barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig.“ Für den 30. Mai 1942 notierte Goebbels, dass es das Ziel des Führers sei, „Westeuropa gänzlich judenfrei zu machen.“ An diesen Aufzeichnungen von Goebbels wird deutlich, wie sich das Gedankengut der NS-Führung bezüglich der „Endlösung“ der Judenfrage spätestens nach der Wannsee-Konferenz zunehmend radikalisiert hat und vor der Anwendung von „brutalsten Mitteln“ und „barbarischen Verfahren“ auch für die Juden aus dem besetzten Westeuropa nicht mehr zurückgeschreckt wurde.

Die deutsche Besetzung Westeuropas und die dort rasch einsetzende Judenverfolgung bis hin zur Deportation und Ermordung der westeuropäischen jüdischen Bevölkerung wirft viele Fragen auf: Wie haben die deutschen Besatzer die jüdische Bevölkerung in Westeuropa überhaupt identifiziert? Warum konnten in relativ kurzer Zeit so viele westeuropäische Juden verhaftet und in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt werden? Warum konnten die antijüdischen Maßnahmen und Gesetze in Ländern mit liberaler und demokratischer Tradition so schnell umgesetzt werden? Wer hat die notwendigen organisatorischen und logistischen Maßnahmen für die Deportationen geplant und durchgeführt?

Eine Anwort auf diese Fragen versucht der folgende Aufsatz zu geben, den Sie hier herunterladen können:

Okkupation – Segregation – Konzentration – Deportation
Der Weg der westeuropäischen Juden in die nationalsozialistischen
Konzentrations- und Vernichtungslager

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Im Zeichen des Kreuzes und in Gottes Namen

„Du sollst nicht töten“ – dieses fünfte Gebot wurde von den Ordensbrüdern und Kreuzfahrern des Deutschen Ordens im Kampf gegen nichtchristliche Völker andauernd übertreten. Wenn den Ordenskriegern trotzdem an der Erlangung ihres Seelenheils gelegen war, so bedurften sie einer theologisch fundierten Rechtfertigung für ihre gebotswidrige Handlungsweise. Es stellt sich die Frage, wie diese permanente Verletzung des Tötungsverbotes im Dekalog zur Zeit der Ordensherrschaft in Ostmitteleuropa gerechtfertigt wurde. Um einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen, soll nun die Ältere Hochmeisterchronik – eine bisher relativ wenig beachtete historiographische Quelle des Deutschen Ordens – untersucht werden. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich dabei auf den Zeitraum vom Beginn der Feldzüge des Deutschen Ordens gegen die heidnischen Litauer im Jahr 1283 bis zur verlorenen Schlacht der Ordenstruppen gegen das polnisch-litauische Heer bei Tannenberg im Jahr 1410. Diese langanhaltenden Kämpfe wurden von dem Mediävisten Werner Paravicini als „ein anderer Hundertjähriger Krieg“ bezeichnet.

Mehr über das Spannungsfeld zwischen Christentum und Krieg am Beispiel der Älteren Hochmeisterchronik können Sie hier lesen:

Im Zeichen des Kreuzes und in Gottes Namen – Christentum und Krieg am Beispiel der Älteren Hochmeisterchronik
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Ein Historikermärchen

Lip Kee Es waren einmal zwei Historiker, die sich mit der Geschichte des Deutschen Kaiserreichs befasst haben.
Als sie an ihrem umfangreichen Werk saßen, erschien beiden die Historikerfee Klio. Die gute Fee gewährte den fleißigen Wissenschaftlern je einen Wunsch. Der eine wünschte sich einem Adler gleich über das Deutsche Reich zu fliegen. Er wollte sich die gesellschaftlichen Strukturen des Kaiserreichs von hoch oben aus der Vogelperspektive anschauen. Der andere hingegen wollte in eine Fliege verwandelt werden, die durch Schlüssellöcher in die verschlossenen Kammern am kaiserlichen Hofe gelangen konnte, um den Gesprächen des Kaisers und seiner Entourage zu lauschen. JJ HarrisonNachdem nun ihre Wünsche in Erfüllung gegangen waren und jeder seine Beobachtungen gemacht hatte, stellten beide Historiker mit großem Erstaunen fest, dass sie jeweils etwas völlig Unterschiedliches gesehen hatten: Der eine sah aus seiner abgehobenen Perspektive ein Kaiserreich ohne Kaiser, der andere sah innerhalb der herrschaftlichen Räume nur den Kaiser und seine Hofgesellschaft, aber die übrigen Menschen und die vielschichtige Gesellschaft des Kaiserreichs übersah er dabei. Sie glaubten einander nicht und begannen sich um die historische Wahrheit zu streiten. Beide Historiker suchten und fanden zahlreiche Mitstreiter unter ihren Kollegen, die sich auch gerne an dem Streit beteiligten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…

Was es mit diesem Historikermärchen auf sich hat, können Sie hier erfahren:

Die unterschiedlichen Bewertungen Wilhelms II.
von John C.G. Röhl und Hans-Ulrich Wehler

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Der Dritte Punische Krieg

Belagerung Karthagos durch Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus. F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas, 1901In „einer beispiellos perfiden Art“ und einer „der größten Ruchlosigkeiten, deren sich die römische Politik jemals schuldig gemacht hat“ hat Rom den dritten und letzten Krieg gegen Karthago systematisch vorbereitet und durchgeführt, so lautet das Urteil der deutschen Althistoriker Jochen Bleicken und Alfred Heuss. Die von Polybios beschriebenen zeitgenössischen Bewertungen stellen ebenfalls „Täuschung und List“ beim Vorgehen der Römer gegen die Karthager fest, andere da­malige Stimmen betonen die Rechtmäßigkeit des römischen Vorgehens. Mit den Mo­tiven Roms für diesen finalen Krieg gegen Karthago haben sich viele Generationen von Historikern beschäf­tigt und sind dabei zu verschiedenen, bisher aber nicht restlos überzeugenden Ergebnissen gekommen.

Stand die totale Zerstörung Karthagos im Einklang mit dem römischen Anspruch eines „gerechten Krieges”? Oder war dieser Krieg tatsächlich „perfide“ und „ruchlos“ oder – weniger pathetisch ausgedrückt – ungerecht?

Im folgenden Aufsatz wird versucht, Antworten auf diese Fragen etwas näher zu kommen:

Der Dritte Punische Krieg – Anspruch und Wirklichkeit der römischen Maxime vom gerechten Krieg

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Raul Hilberg: Etappen und Prozesse auf dem Weg zur „Endlösung“

Auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist ein brillianter und bewegender Vortrag des renommierten Historikers Raul Hilberg († 2007) über die Etappen und Prozesse auf dem Weg zur  Vernichtung der europäischen Juden zu sehen. Hilberg zieht in seinen Ausführungen eine Bilanz der Holocaustforschung und blickt zurück auf den Umgang mit der NS-Vergangenheit. Den Vortrag hielt Raul Hilberg acht Monate vor seinem Tod im Rahmen der internationalen Konferenz „Der Holocaust im transnationalen Gedächtnis“ der Bundeszentrale für politische Bildung und des Zentrums für Antisemitismusforschung am 11.12.2006 in Berlin.

Das Video des Vortrags von Raul Hilberg ist auf der Website der bpb zu sehen: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39629/video-interview-raul-hilberg

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Kinder, wie die Zeit vergeht…

Einszweidrei! im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen mit

Wilhelm Busch (* 1832; † 1908)

Selbstporträt aus dem Jahr 1894

 

 

 

 

 

 

 

Das Phänomen und die Probleme einer schnelllebigen, nervösen Zeit wurde den Menschen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Einsetzen der industriellen Revolution erstmals so richtig bewusst. Diese Entwicklung setzte neugegründeten Deutschen Reich im Vergleich zum industriellen Vorreiter England zwar mit einiger Verspätung ein – dafür aber aber umso vehementer. Deutsche Historiker, die sich mit der Epoche des Deutschen Kaiserreichs von 1871-1918 beschäftigt haben, gaben Ihren Darstellungen und Werken entsprechende Titel, wie “Das ruhelose Reich” (Michael Stürmer) oder “Die nervöse Großmacht” (Volker Ullrich).

Ein wesentlicher Wachstumsfaktor dieser Zeit war der Eisenbahnbau – Karl Marx erkannte in diesem modernen Verkehrsmittel die eigentliche revolutionäre Kraft des 19. Jahrhunderts. Die regionalen Märkte wurden miteinanander vernetzt, was für enorme Wachstumsimpulse der Wirtschaft sorgte – aber auch gesellschaftliche und soziale Verwerfungen waren die Folge.

Der Trend einer Zeitbeschleunigung auf Grund zunehmender Technisierung aller Lebensbereiche hat sich bis in unsere Tage fortgesetzt: Die rasch zunehmende globale Vernetzung durch das Internet lässt auch Parallelen zum damaligen Ausbau des Eisenbahnnetzes erkennen – nur gaaanz langsam setzt eine Gegenbewegung ein: die sogenannte Entschleunigung.

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