Im Zeichen des Kreuzes und in Gottes Namen

„Du sollst nicht töten“ – dieses fünfte Gebot wurde von den Ordensbrüdern und Kreuzfahrern des Deutschen Ordens im Kampf gegen nichtchristliche Völker andauernd übertreten. Wenn den Ordenskriegern trotzdem an der Erlangung ihres Seelenheils gelegen war, so bedurften sie einer theologisch fundierten Rechtfertigung für ihre gebotswidrige Handlungsweise. Es stellt sich die Frage, wie diese permanente Verletzung des Tötungsverbotes im Dekalog zur Zeit der Ordensherrschaft in Ostmitteleuropa gerechtfertigt wurde. Um einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen, soll nun die Ältere Hochmeisterchronik – eine bisher relativ wenig beachtete historiographische Quelle des Deutschen Ordens – untersucht werden. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich dabei auf den Zeitraum vom Beginn der Feldzüge des Deutschen Ordens gegen die heidnischen Litauer im Jahr 1283 bis zur verlorenen Schlacht der Ordenstruppen gegen das polnisch-litauische Heer bei Tannenberg im Jahr 1410. Diese langanhaltenden Kämpfe wurden von dem Mediävisten Werner Paravicini als „ein anderer Hundertjähriger Krieg“ bezeichnet.

Mehr über das Spannungsfeld zwischen Christentum und Krieg am Beispiel der Älteren Hochmeisterchronik können Sie hier lesen:

Im Zeichen des Kreuzes und in Gottes Namen – Christentum und Krieg am Beispiel der Älteren Hochmeisterchronik
(Download PDF, 164 kB)

Veröffentlicht unter Mittelalter | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Historikermärchen

Lip Kee Es waren einmal zwei Historiker, die sich mit der Geschichte des Deutschen Kaiserreichs befasst haben.
Als sie an ihrem umfangreichen Werk saßen, erschien beiden die Historikerfee Klio. Die gute Fee gewährte den fleißigen Wissenschaftlern je einen Wunsch. Der eine wünschte sich einem Adler gleich über das Deutsche Reich zu fliegen. Er wollte sich die gesellschaftlichen Strukturen des Kaiserreichs von hoch oben aus der Vogelperspektive anschauen. Der andere hingegen wollte in eine Fliege verwandelt werden, die durch Schlüssellöcher in die verschlossenen Kammern am kaiserlichen Hofe gelangen konnte, um den Gesprächen des Kaisers und seiner Entourage zu lauschen. JJ HarrisonNachdem nun ihre Wünsche in Erfüllung gegangen waren und jeder seine Beobachtungen gemacht hatte, stellten beide Historiker mit großem Erstaunen fest, dass sie jeweils etwas völlig Unterschiedliches gesehen hatten: Der eine sah aus seiner abgehobenen Perspektive ein Kaiserreich ohne Kaiser, der andere sah innerhalb der herrschaftlichen Räume nur den Kaiser und seine Hofgesellschaft, aber die übrigen Menschen und die vielschichtige Gesellschaft des Kaiserreichs übersah er dabei. Sie glaubten einander nicht und begannen sich um die historische Wahrheit zu streiten. Beide Historiker suchten und fanden zahlreiche Mitstreiter unter ihren Kollegen, die sich auch gerne an dem Streit beteiligten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…

Was es mit diesem Historikermärchen auf sich hat, können Sie hier erfahren:

Die unterschiedlichen Bewertungen Wilhelms II.
von John C.G. Röhl und Hans-Ulrich Wehler

(Download PDF, 133kB)

Veröffentlicht unter Neuzeit | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Erwarte Vollzugsmeldung“

„Die Hansestadt Hamburg war führerlos und unfähig, einen Führer zu berufen, als die Sturmflut über sie kam. Der Führer berief sich selbst.“ Mit dieser journalistischen Zuspitzung leitete Der Spiegel knapp siebzehn Jahre nach dem Ende des deutschen Führerstaates und knapp drei Wochen nach der Sturmflut vom 16./17. Februar 1962 einen Bericht unter dem Titel „Herr der Flut“ ein. In dem umfangreichen Artikel wird die Leitung des bisher größten Katastropheneinsatzes in der noch jungen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland durch den damaligen Hamburger Innensenator Helmut Schmidt ausführlich geschildert: Der damals 43-jährige Schmidt zeigte sich als Krisenmanager während der Sturmflutkatastrophe in Hamburg „forsch, frech und furchtlos“ – er „ergriff die Macht“ und schickte etwa 25.000 Helfer in den Hilfseinsatz, von denen ein großer Teil Soldaten der Bundeswehr und der Bündnispartner waren. Die „selbstgezimmerte Befehlshaberstellung“ über diese Truppen kommentierte Helmut Schmidt damals so: „Sie sind mir nicht unterstellt worden, ich habe sie mir genommen.“ Niemand scheint Schmidts Autorität damals ernsthaft in Frage gestellt zu haben, obwohl er seine Kompetenzen und die gesetzlichen Bestimmungen eindeutig überschritten hat.

Den gesamten Text zum Krisenmanagment des damaligen Senators Helmut Schmidt während der Sturmflut 1962 in Hamburg können Sie hier herunterladen:

„Erwarte Vollzugsmeldung“ – Das Krisenmanagement Helmut Schmidts während der Sturmflut 1962 in der Selbst- und Fremdwahrnehmung
(Download PDF, 219 kB)

Filme auf youtube zum Thema Helmut Schmidt und die Sturmflut 1962

Veröffentlicht unter Neuzeit | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Dritte Punische Krieg

Belagerung Karthagos durch Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus. F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas, 1901In „einer beispiellos perfiden Art“ und einer „der größten Ruchlosigkeiten, deren sich die römische Politik jemals schuldig gemacht hat“ hat Rom den dritten und letzten Krieg gegen Karthago systematisch vorbereitet und durchgeführt, so lautet das Urteil der deutschen Althistoriker Jochen Bleicken und Alfred Heuss. Die von Polybios beschriebenen zeitgenössischen Bewertungen stellen ebenfalls „Täuschung und List“ beim Vorgehen der Römer gegen die Karthager fest, andere da­malige Stimmen betonen die Rechtmäßigkeit des römischen Vorgehens. Mit den Mo­tiven Roms für diesen finalen Krieg gegen Karthago haben sich viele Generationen von Historikern beschäf­tigt und sind dabei zu verschiedenen, bisher aber nicht restlos überzeugenden Ergebnissen gekommen.

Stand die totale Zerstörung Karthagos im Einklang mit dem römischen Anspruch eines „gerechten Krieges”? Oder war dieser Krieg tatsächlich „perfide“ und „ruchlos“ oder – weniger pathetisch ausgedrückt – ungerecht?

Im folgenden Aufsatz wird versucht, Antworten auf diese Fragen etwas näher zu kommen:

Der Dritte Punische Krieg – Anspruch und Wirklichkeit der römischen Maxime vom gerechten Krieg

(Download PDF, 109 kB)

Veröffentlicht unter Alte Geschichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Raul Hilberg: Etappen und Prozesse auf dem Weg zur „Endlösung“

Auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist ein brillianter und bewegender Vortrag des renommierten Historikers Raul Hilberg († 2007) über die Etappen und Prozesse auf dem Weg zur  Vernichtung der europäischen Juden zu sehen. Hilberg zieht in seinen Ausführungen eine Bilanz der Holocaustforschung und blickt zurück auf den Umgang mit der NS-Vergangenheit. Den Vortrag hielt Raul Hilberg acht Monate vor seinem Tod im Rahmen der internationalen Konferenz „Der Holocaust im transnationalen Gedächtnis“ der Bundeszentrale für politische Bildung und des Zentrums für Antisemitismusforschung am 11.12.2006 in Berlin.

Das Video des Vortrags von Raul Hilberg ist auf der Website der bpb zu sehen: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39629/video-interview-raul-hilberg

Veröffentlicht unter Neuzeit | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kinder, wie die Zeit vergeht…

Einszweidrei! im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen mit

Wilhelm Busch (* 1832; † 1908)

Selbstporträt aus dem Jahr 1894

 

 

 

 

 

 

 

Das Phänomen und die Probleme einer schnelllebigen, nervösen Zeit wurde den Menschen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Einsetzen der industriellen Revolution erstmals so richtig bewusst. Diese Entwicklung setzte neugegründeten Deutschen Reich im Vergleich zum industriellen Vorreiter England zwar mit einiger Verspätung ein – dafür aber aber umso vehementer. Deutsche Historiker, die sich mit der Epoche des Deutschen Kaiserreichs von 1871-1918 beschäftigt haben, gaben Ihren Darstellungen und Werken entsprechende Titel, wie “Das ruhelose Reich” (Michael Stürmer) oder “Die nervöse Großmacht” (Volker Ullrich).

Ein wesentlicher Wachstumsfaktor dieser Zeit war der Eisenbahnbau – Karl Marx erkannte in diesem modernen Verkehrsmittel die eigentliche revolutionäre Kraft des 19. Jahrhunderts. Die regionalen Märkte wurden miteinanander vernetzt, was für enorme Wachstumsimpulse der Wirtschaft sorgte – aber auch gesellschaftliche und soziale Verwerfungen waren die Folge.

Der Trend einer Zeitbeschleunigung auf Grund zunehmender Technisierung aller Lebensbereiche hat sich bis in unsere Tage fortgesetzt: Die rasch zunehmende globale Vernetzung durch das Internet lässt auch Parallelen zum damaligen Ausbau des Eisenbahnnetzes erkennen – nur gaaanz langsam setzt eine Gegenbewegung ein: die sogenannte Entschleunigung.

Veröffentlicht unter Zeit | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar