{"id":135,"date":"2012-12-30T21:24:54","date_gmt":"2012-12-30T19:24:54","guid":{"rendered":"http:\/\/sauseschritt.net\/?p=135"},"modified":"2013-06-13T22:08:17","modified_gmt":"2013-06-13T20:08:17","slug":"das-prekariat-ein-neues-proletariat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sauseschritt.net\/?p=135","title":{"rendered":"Das Prekariat &#8211; ein neues Proletariat?"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #999999;\">Ein Essay von Peter Rose<\/span><\/em><\/p>\n<p><strong>R\u00fcckkehr der sozialen Frage<br \/>\n<\/strong>\u201eGerade in der jetzigen Zeit tobt der Kampf um die Existenz mit furchtbarer Heftig\u00adkeit.\u201c[1] Dieser Satz stammt aus dem Jahre 1913 und war damals im <em>Vorw\u00e4rts<\/em>, der Parteizeitung der SPD, zu lesen. Fast 100 Jahre sp\u00e4ter berichtet die gleiche Zeitung im Februar 2010 \u00fcber die immer gr\u00f6\u00dfer werdende Not in Deutschland[2] und stellt auf der Titelseite die Frage: \u201eWer rettet den sozialen Staat?\u201c. Demnach scheint das State\u00adment zum Existenzkampf aus den 1910er Jahren in gewisser Weise auch\u00a0heute noch zuzutreffen. Haben also die gesellschaftli\u00adchen Verh\u00e4ltnisse und Probleme von 1913 mit denen\u00a0der\u00a0Gegenwart etwas gemeinsam &#8211; und: wie viel politi\u00adsche Sprengkraft steckt in einer Zuspitzung der sozialen Lage?<em><!--more--><\/em><\/p>\n<p>Die in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhundert durch Industrialisierung und Urba\u00adnisierung entstandene soziale Frage schien in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Wirtschafts\u00adwunder der 1950er und 1960er Jahre bis in die 1990er Jahre hinein durch die soziale Markt\u00adwirt\u00adschaft beantwortet zu sein. Um die Jahrtausendwende traten dann aber die zunehmenden sozia\u00adlen Unterschiede der verschiedenen Bev\u00f6lkerungsschichten im wiederver\u00adeinigten Deutsch\u00adland klar in Erscheinung und erinnern ein wenig an die Zeit der wilhelmi\u00adnischen Klassenge\u00adsellschaft mit ihren damaligen sozialpolitischen Problem\u00adfeldern.<\/p>\n<p><strong>Proletariat und Solidarit\u00e4t um 1910<br \/>\n<\/strong>Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Deutschen Reich um 1910 waren gepr\u00e4gt durch ein enormes Bev\u00f6lkerungswachstum. So lebten in Deutschland zur Zeit der Reichs\u00adgr\u00fcndung 1871 etwa 49 Millionen Menschen, w\u00e4hrend es 1913 fast 67 Millionen waren, also ein gutes Drittel mehr.[3] Auf der Suche nach Arbeit str\u00f6mten massenhaft junge Menschen aus den landwirtschaftlichen Gebieten im Osten Deutschlands in die expandierenden Industrie\u00adregionen mit ihren rasant wachsenden St\u00e4dten.<\/p>\n<p>In der prosperierenden Volkswirtschaft des Kaiserreichs um 1910 mit einer relativ gerin\u00adgen Arbeitslosenquote zwischen zwei und drei Prozent[4] \u2013  nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben quasi Vollbesch\u00e4ftigung \u2013 waren die Lebens\u00adbedingungen f\u00fcr gro\u00dfe Teile der neu entstande\u00adnen In\u00addustriearbeiter\u00adschaft trotzdem alles andere als rosig. Die Neuank\u00f6mmlinge vom Lande muss\u00adten sich in den pulsieren\u00adden Gro\u00dfst\u00e4dten den urbanen Lebensverh\u00e4ltnissen anpassen. Es gab f\u00fcr die neu hinzugezoge\u00adnen Massen bei weitem nicht gen\u00fcgend Wohnraum. In vielen St\u00e4dten ent\u00adstanden in aller Eile hochgezogene Arbeiterquartiere mit schlecht ausgestatten Mietskaser\u00adnen, deren Wohnungen meist nur ein Zimmer und eine K\u00fcche hatten. Viele Arbeiterfami\u00adlien hatten Schwierigkeiten, die Miete selbst f\u00fcr eine solch bescheidene Unterkunft regelm\u00e4\u00dfig aufzu\u00adbringen, so dass sie das einzige Zimmer an so genannte Schlafg\u00e4nger, junge Frauen und M\u00e4n\u00adner ohne eigene Wohnung, untervermieteten. Die vielk\u00f6pfige Familie musste dann in der ih\u00adr als einzigem Wohnraum verbliebenen K\u00fcche hausen.[5] Aus diesem sozialen Umfeld der st\u00e4dtischen Industriearbeiterschaft entstand der Kern einer sozia\u00adlen Klasse mit gemeinsamen Interessen, gemeinsamer Ideologie und Konfliktbereit\u00adschaft, gemeinsamen politischen Organisationen, gemeinsamer Sozialmentalit\u00e4t, ge\u00admeinsamer Kultur &#8211; kurzum: einem gemeinsamen Weltbild.[6]<\/p>\n<p>Das Sinn und Identit\u00e4t stiftende Schlag\u00adwort dieser neuen sozialen Klasse des Industrieproletariats war Solidari\u00adt\u00e4t. Neben den vielen Ge\u00admein\u00adsamkeiten gab es signifikante Unterschiede innerhalb der lohnabh\u00e4n\u00adgigen Industrie\u00adar\u00adbeiter\u00adschaft: Einerseits die gut ausgebildeten und gut bezahlten Facharbeiter mit relativ siche\u00adren Arbeitspl\u00e4tzen, andererseits ein Millionenheer von An\u00adgelernten, Ungelernten, Tage\u00adl\u00f6h\u00adnern und Gelegenheitsarbeitern, die bei konjunkturellen Einbr\u00fcchen der Wirtschaft kurz\u00adfristig \u201eauf der Stra\u00dfe sa\u00dfen\u201c. \u00c4ltere Arbeitslose ab 40 Jahre fanden nur schwer wieder in \u201eLohn und Brot\u201c zur\u00fcck, meist nur zu deutlich schlechteren Konditionen.<\/p>\n<p>Trotz der Differenzierung der Arbeiter innerhalb der Betriebe entwickelte sich \u201enach Feierabend\u201c in ihren Wohnvierteln eine Homogenisierung der Arbeiterschaft, wie sie zur He\u00adraus\u00adbildung eines sozialen Klassenbewusstseins n\u00f6tig ist. Diese Vereinheitlichung wurde \u201edurch die Gemein\u00adsamkeiten der proletarischen Lebenswelt und des proletarischen Milieus\u201c [7] in Arbeiterverei\u00adnen, in Einrichtungen der Gewerkschaften und der damals aufstrebenden SPD und nicht zu\u00adletzt in den Kommunikationszentren der Arbeiter-wohnquar\u00adtiere, den Eck\u00adkneipen, voran ge\u00adbracht. Sowohl der starke staatliche Druck auf Sozialdemokraten und Ge\u00adwerkschaften als auch die Diskriminierung und Aus\u00adgrenzung durch das B\u00fcrgertum haben eine Eini\u00adgung der Arbeiterklasse eher gef\u00f6r\u00addert und nicht, wie damals in den b\u00fcrgerlichen Kreisen er\u00adhofft, zu verhindern vermocht.<\/p>\n<p>Die Arbeiter hatten sich in ihrer proletarischen Subkultur h\u00e4uslich eingerichtet: Das eng\u00admaschige sozialdemokra\u00adtische Netzwerk bot ihnen und ihren Familien von der Wiege bis zur Bahre Zuflucht und die Hoffnung auf eine in ihren Augen gerechtere Gesellschaft.[8] Durch die mitgliederstarken Gewerk\u00adschaften und die Wahlerfolge der Sozial\u00addemokraten \u2013 bei der Reichstagswahl 1912 wurde die SPD zur st\u00e4rksten Partei \u2013 erlangte die Arbeiterklasse ein be\u00adachtliches Ma\u00df an politischer Macht und konnte schrittweise Verbesserungen ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen durchsetzen. Es ging also vorw\u00e4rts und die Ar\u00adbeiter blickten damals eher hoffnungsvoll in die Zukunft \u2013 wenn auch dieser optimistische Blick sehr tr\u00fcgerisch war, wie wir heute, ausgestattet mit der \u201eGnade der sp\u00e4ten Geburt\u201c (Helmut Kohl), wissen.<\/p>\n<p><strong>Prekariat und Individualit\u00e4t 2010<br \/>\n<\/strong>Die Bundesrepublik Deutschland steht vor dem Problem, das bis vor einigen Jahren noch als vorbildlich geltende System der sozialen Absicherung aufrecht zu erhalten. Geringes wirt\u00adschaftliches Wachstum, eine hohe Arbeitslosenquote und der dramatische demografische Wandel stellen das bisherige System in Frage und lassen das \u201esoziale Netz\u201c immer l\u00f6chriger werden. Um die hohe Sockelarbeitslosigkeit zu verringern, wurde der Arbeitsmarkt bereits dereguliert und der K\u00fcndigungsschutz gelockert. Aus Sicht der Arbeitgeber kann seitdem fle\u00adxibler auf konjunkturelle Schwankungen reagiert werden und die verantwortlichen Politiker hoffen, dass die Liberalisierung des Arbeits\u00admarktes dauerhaft neue Arbeitspl\u00e4tze schaffen wird. Diese Ma\u00dfnahmen haben zwar eine kurzfristige Senkung der Arbeitslosenquote be\u00adwirkt, aber um welchen Preis?<\/p>\n<p>Im wirtschaftlichen Kontext von Globalisierung plus Modernisierung &#8211; noch verst\u00e4rkt durch das gewal\u00adtige Beben der Finanzkrise \u2013 wird die Arbeitswelt gegenw\u00e4rtig umstruktu\u00adriert. Die Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse vieler Arbeit\u00adnehmer befinden sich in einem fortdauer\u00adden Ver\u00e4nderungsprozess. So werden die bisher in Deutschland vorherrschenden unbefris\u00adteten Arbeitsvertr\u00e4ge zunehmend durch zeitlich begrenzte Vertr\u00e4ge ohne tariflichen Schutz ersetzt. Diese Entwicklung f\u00fchrt dazu, dass sich soziale, rechtliche, materielle und berufliche Un\u00adsicherheiten von Arbeitnehmern immer weiter ausbreiten.<\/p>\n<p>Die Gruppe von Menschen, die nur be\u00adfristete, jederzeit k\u00fcndbare Arbeitspl\u00e4tze haben, also in sehr unsicheren bzw. prek\u00e4ren beruflichen Verh\u00e4ltnissen leben, wird seit einigen Jah\u00adren als Prekariat bezeichnet. Diese prek\u00e4r besch\u00e4ftigten Arbeitnehmer sowie die Klein- und Subunternehmer, sogenannte Ich-AGs,  sind Grenzg\u00e4nger in einer ver\u00e4nderten Arbeits\u00adwelt. Sie m\u00fcssen sich \u201edurch das unwegsame Gel\u00e4nde von Minijobs, Praktika, Leiharbeit, befristeten T\u00e4tigkeiten und staatlichen Unterst\u00fctzungsleistungen\u201c[9] k\u00e4mpfen.  Die Prekarier befinden sich dauerhaft im Niemandsland zwischen Erwerbst\u00e4tigkeit und Arbeitslosigkeit und leben buchst\u00e4blich von der Hand in den Mund. F\u00fcr eine Zukunftssicherung oder Altersvor\u00adsorge haben sie kaum einen  finanziellen Spielraum, so dass sich ihre prek\u00e4re Lage mit zu\u00adnehmendem Alter wahrscheinlich noch versch\u00e4rfen wird.<\/p>\n<p>Gewollt oder ungewollt erinnert die Wortsch\u00f6pfung Prekariat an Proletariat, einen Begriff aus der Zeit des Klassenkampfs, der seit dem Ende des real existierenden Sozialismus in Deutschland und Europa weitgehend in der historischen Versenkung verschwunden ist. Die begriffliche \u00c4hnlichkeit und die vielen Gemeinsamkeiten der prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten heute und vieler Industriearbeiter damals d\u00fcrfen aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen diesen beiden gesellschaftlichen Gruppierungen gibt: Das Prekariat im Jahre 2010 hat einen deutlich geringeren gesellschaft\u00adlichen Einfluss im Vergleich zur politischen Macht des Proletariats um 1910. Die Prekarier heute sind eine zersplitterte, anonyme Masse ohne kollektiven Zu\u00adsammen\u00adhalt \u2013 geradezu ein Beispiel von \u201enegativem Individualismus\u201c[10]. Die Menschen dieser neuen \u201egesellschaftlichen Zwischen\u00adschicht\u201c[11] sind hin und her gerissen  zwischen \u00c4ng\u00adsten vor weiterem sozialen Ab\u00adstieg und der vagen Hoffnung auf sta\u00adbilere wirtschaftliche Ver\u00adh\u00e4lt\u00adnisse. Die dem Prekariat zugerechneten Menschen sind mit ihren gro\u00dfen Sorgen und N\u00f6ten weitgehend auf sich al\u00adlein ge\u00adstellt und blicken eher negativ in die Zukunft, oft nach dem Motto \u201eFr\u00fcher war alles besser\u201c.<\/p>\n<p><strong>Blick zur\u00fcck nach vorn<br \/>\n<\/strong>Im Gegensatz zu 1910, als die soziale Frage im Kaiserreich ganz oben auf der Tages\u00adordnung stand und als ernsthafte Bedrohung f\u00fcr das damalige Gesellschaftssystem wahrgenommen wurde, neigen Teile der wirtschaftlichen und politischen Eli\u00adten der Bundes\u00adrepublik im Jahre 2010 noch immer zur Verharmlosung sozialer Probleme und sozialer Ungerechtigkeit. Von einer Chancengleichheit kann heute kaum noch gesprochen werden, so dass die Durchl\u00e4ssig\u00adkeit zwischen den sozialen Schichten abnimmt,was viele Menschen zu dauerhaften Verlierern werden l\u00e4sst. In unserer Gesellschaft, in der Arbeit und Leistung im Mittelpunkt stehen und als allge\u00admein anerkannte Wertma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Erfolg oder Misserfolg jedes einzelnen Indi\u00adviduums ge\u00adlten, k\u00f6nnen Zukunfts\u00e4ngste und Hoffnungslosigkeit gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lke\u00adrung zu prek\u00e4\u00adren politischen Verh\u00e4ltnissen f\u00fchren. Die gesellschaftliche Unsicherheit be\u00adg\u00fcnstigt ver\u00adst\u00e4rkte Ressentiments gegen andere, in der Regel noch schw\u00e4chere Bev\u00f6lke\u00adrungs\u00adgruppen. Man\u00adgelnde Solidarit\u00e4t innerhalb der Gesellschaft kann bei der zunehmenden Anzahl von Mo\u00adderni\u00adsierungsverlierern dazu f\u00fchren, dass sie den Lockrufen extremer politi\u00adscher Parteien folgen. Da das heutige Prekariat im Gegensatz zum damaligen Prole\u00adtariat nicht als geschlossener Block in Erscheinung tritt, wird diese Gefahr m\u00f6glicher\u00adweise untersch\u00e4tzt, aber gerade die deutsche Vergangenheit zeigt, welche gef\u00e4hrlichen Entwick\u00adlungen m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Ohne Frage ist die materielle Not, wie sie einen gro\u00dfen Teil der Arbeiterschaft vor 100 Jahren heimgesucht hat, heute durch staatliche Transferleistungen deutlich gemildert worden. Die seelische Not hingegen, die durch den Verlust der Selbstachtung entsteht, wenn ein Mensch f\u00fcr sich und seine Familie nicht oder nur unzureichend mit seinem Arbeitslohn sor\u00adgen kann und auf staatlichen Zuwendungen angewiesen ist, wird heute vermutlich \u00e4hnlich gro\u00df wie damals sein. Der aktuell propagierte Individualismus mit der Aufforde\u00adrung zu Selbstbehauptung und Durchsetzungsf\u00e4higkeit auf dem Arbeitsmarkt \u00fcberfordert viele Ar\u00adbeitnehmer und sie werden langsam aber sicher in das Prekariat oder die Arbeitslosigkeit ab\u00adgedr\u00e4ngt. Die wachsende Bedrohung ebenfalls zu Verlierern zu werden, l\u00f6st bei den noch fest an\u00adgestellten Arbeitnehmern \u00c4ngste und Reflexe aus, die zu einer Mitleidlosigkeit gege\u00adn\u00fcber den prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten bzw. den Arbeitslosen f\u00fchren. Neben den materiellen Ein\u00adschr\u00e4n\u00adkungen hat das Prekariat heute also unter einer zunehmenden Entsolidarisierung der Ge\u00adsell\u00adschaft zu leiden, was eine positive Zukunftsperspektive f\u00fcr die betroffenen Menschen zu\u00ads\u00e4tz\u00adlich erschwert und sie m\u00f6glicherweise politisch unberechenbar werden l\u00e4sst. Die wich\u00adtige Errungenschaft der individuellen Freiheit darf meines Erachtens nicht dahingehend fehl\u00adge\u00addeutet werden, dass jeder Mensch sich ausschlie\u00dflich um sich selbst und sein eigenes Wohl zu k\u00fcmmern hat. Auch wenn das Wort Solidarit\u00e4t heutzutage ein wenig angestaubt klingen mag, so kommt doch keine lebenswerte Gesellschaft ohne einen solchen Gemeinsinn aus.<\/p>\n<p>Die Brisanz der sozialen Frage des 21. Jahrhunderts bedarf einer m\u00f6glichst raschen Ant\u00adwort, nur welcher? Eine zuk\u00fcnftige \u201eDiktatur des Prekariats\u201c \u2013 \u00e4hnliche  politische Modelle sind bekann\u00adterma\u00ad\u00dfen schon einmal gescheitert \u2013 w\u00e4re ebenso wenig w\u00fcnschenswert wie ein R\u00fcckfall in das unsoziale Gedankengut des Sozialdarwinismus mit seiner These \u201eSurvival of the Fittest\u201c, was etwa einem ungez\u00fcgelten \u201eRaubtierkapitalismus\u201c (Helmut Schmidt) gleich\u00adk\u00e4me. Vielmehr sollten alle gesellschaftlichen Kr\u00e4fte gemeinsam nach einer sozial ausglei\u00adchenden und m\u00f6glichst gerechten politischen L\u00f6sung zwischen sinnvoller staatlicher Inter\u00advention und einem vern\u00fcnftigen Ma\u00df an unternehmerischer Freiheit zu suchen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Quellen und Literatur<\/span><\/p>\n<p>Vorw\u00e4rts, Berlin, 30, Nr. 309, 24.11.1913, Beilage, in: Quellen zur Alltagsgeschichte der Deutschen 1871-1914. Hg.: Jens Flemming, Klaus Saul, Peter Christian Witt,<br \/>\nDarmstadt 1997, S. 178-181.<\/p>\n<p>Vorw\u00e4rts \u2013 das Monatsblatt f\u00fcr soziale Demokratie, Berlin, Februar 2010.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Robert Castel: Die Metamorphosen der sozialen Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit, Konstanz 2000.<\/p>\n<p>Gerhard A. Ritter, Klaus Tenfelde: Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1914,<br \/>\nBonn 1992.<\/p>\n<p>Volker Ullrich: Die nerv\u00f6se Gro\u00dfmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt\/M. 2007.<\/p>\n<p>Berthold Vogel: Das Prekariat \u2013 eine neue soziale Lage?, in: Prekarit\u00e4t, Abstieg, Ausgrenzung &#8211; Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, hg.. v.: Robert Castel, Klaus D\u00f6rre, Frankfurt\/M. 2009, S. 197-208.<\/p>\n<p>Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Dritter Band. Von der \u201eDeutschen Doppelrevolution\u201c bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914, M\u00fcnchen 1995.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Anmerkungen:<\/span><\/p>\n<hr size=\"1\" \/>\n<div>\n<div>[1] Vorw\u00e4rts, Berlin, 30, Nr. 309, 24.11.1913, Beilage, in: Quellen zur Alltagsgeschichte der Deutschen 1871-1914, hg. v: Jens Flemming, Klaus Saul, Peter Christian Witt, Darmstadt 1997, S. 179.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[2] Susanne Dohrn: Die Not wird immer gr\u00f6\u00dfer, in: Vorw\u00e4rts, Berlin, Februar 2010, S. 6.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[3] Volker Ullrich: Die nerv\u00f6se Gro\u00dfmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt\/M. 2007, S. 135.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[4] Gerhard A. Ritter, Klaus Tenfelde: Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1914, Bonn 1992, S. 241.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[5] Vgl. ebd. S. 587ff.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[6] Vgl. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Dritter Band. Von der \u201eDeutschen Doppelrevolution\u201c bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914,  M\u00fcnchen 1995, S. 784.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[7] Ebd. S. 783.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[8] Vgl. Volker Ullrich: Die nerv\u00f6se Gro\u00dfmacht, S. 304f.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[9] Berthold Vogel: Das Prekariat \u2013 eine neue soziale Lage?, in: Prekarit\u00e4t, Abstieg, Ausgrenzung &#8211; Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, hg.. v.: Robert Castel, Klaus D\u00f6rre, Frankfurt\/M. 2009, S. 201.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[10] Robert Castel: Die Metamorphosen der sozialen Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit, Konstanz 2000, S. 404.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>[11] Vogel: Prekariat, S. 201.<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Essay von Peter Rose R\u00fcckkehr der sozialen Frage \u201eGerade in der jetzigen Zeit tobt der Kampf um die Existenz mit furchtbarer Heftig\u00adkeit.\u201c[1] Dieser Satz stammt aus dem Jahre 1913 und war damals im Vorw\u00e4rts, der Parteizeitung der SPD, zu lesen. 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