{"id":74,"date":"2012-11-21T06:44:42","date_gmt":"2012-11-21T04:44:42","guid":{"rendered":"http:\/\/sauseschritt.net\/?p=74"},"modified":"2020-02-25T20:47:36","modified_gmt":"2020-02-25T18:47:36","slug":"essay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sauseschritt.net\/?p=74","title":{"rendered":"Ars moriendi &#8211; Die Kunst des Sterbens"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #c0c0c0;\"><em>Ein Essay von Peter Rose<\/em><\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Weigel_11.JPG?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Erl\u00f6sung der Seele\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/b2\/Weigel_11.JPG?uselang=de\" alt=\"\" width=\"464\" height=\"607\"><\/a><em><strong>Die Gewissheit des Todes<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Memento mori <\/em>\u2013 Gedenke, dass du sterblich bist. Dieser kirchlichen Mahnung, die den mittelalterlichen Menschen zu einem gottgef\u00e4lligen Leben motivieren sollte, bedurften die in der Krisenzeit des sp\u00e4ten Mittelalters Lebenden kaum mehr: Seit dem 14. Jahrhundert gab es eine H\u00e4ufung von Naturkatastrophen mit Hungersn\u00f6ten und sich ausbreitenden Seuchen, wie der Pest, die eine extrem hohe Sterblichkeitsrate in der Bev\u00f6lkerung verursachten. Der \u201eSchwarze Tod\u201c machte das Sterben zu einem ganz allt\u00e4glichen Ereignis: \u201eDa sieht jeder, wie heute dieser, morgen jener Nachbar von der furchtbaren Krankheit ergriffen wird.\u201c[ref]Rudolf, Rainer: Ars moriendi. Von der Kunst des heilsamen Lebens und Sterbens. K\u00f6ln \/ Graz 1957, S. 9.[\/ref]&nbsp;Jeder Mensch war sich damals bewusst, dass es auch ihn jederzeit dahin raffen konnte, \u201eTod und Verfall [r\u00fcckten] den Menschen in vorher nicht gekannter Weise buchst\u00e4blich auf den Leib.\u201c[ref]Reudenbach, Bruno: Tod und Verg\u00e4nglichkeit in Bildern des Sp\u00e4tmittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit. In: D\u00fclmen, Richard van: Erfindung des Menschen. Sch\u00f6pfungsr\u00e4ume und K\u00f6rperbilder 1500-2000, S. 73.[\/ref]<em><!--more--><\/em><\/p>\n<p>Die zunehmende Bedeutung der St\u00e4dte und der Geldwirtschaft sorgten im Sp\u00e4tmittelalter f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen. Durch das erstarkende B\u00fcrgertum in den St\u00e4dten wurden die starren Standesgrenzen zwischen Adel, Klerus und Bauern durchl\u00e4ssiger. Der sp\u00e4tmittelalterliche Mensch definierte sich nun nicht mehr ausschlie\u00dflich \u00fcber seinen Stand, sondern auch \u00fcber seine Leistung als Individuum. Diese&nbsp;an sich&nbsp;begr\u00fc\u00dfenswerte Entwicklung verursachte aber &#8211; wie die meisten gesellschaftlichen Umbr\u00fcche &#8211; auch Verunsicherung und Orientierungslosigkeit. Die Individualisierung der Menschen und ihre Hinwendung zum weltlichen Leben im Diesseits sorgten bei ihnen f\u00fcr zunehmende Zweifel \u00fcber das eigene Schicksal im Jenseits. Dass es ein Leben nach dem Tode geben w\u00fcrde, war weiterhin gesellschaftlicher Konsens. Auch \u00fcber die m\u00f6glichen jenseitigen Aufenthaltsorte \u2013 Himmel, H\u00f6lle und dem zeitlich begrenzten Fegefeuer auf dem Weg dorthin \u2013 herrschte Einm\u00fctigkeit. Da aber niemand mit Sicherheit wusste, an welchen Ort er nach seinem Ableben gelangen w\u00fcrde und wie lange er im Fegefeuer ausharren m\u00fcsste, war der kommende Tod die einzige Gewissheit.[ref]Vgl. Hannemann, Cornelia: Das Bild des Todes in Artes moriendi und Totent\u00e4nzen des ausgehenden 15. Jahrhunderts, Magisterarbeit Universit\u00e4t Hamburg 2004, S. 5.[\/ref]<\/p>\n<p><em><strong>Die Angst vor dem Tod<\/strong><\/em><br \/>\nDie Sorge um das eigene Seelenheil trieb die damals lebenden Menschen deshalb besonders um \u2013 angesichts des allgegenw\u00e4rtigen Todes in der unmittelbaren Nachbarschaft steigerte sich die Heilssorge oft in eine regelrechte Heilsangst.[ref]Resch, Claudia: Trost im Angesicht des Todes. Fr\u00fche reformatorische Anleitungen zur Seelsorge an Kranken und Sterbenden, T\u00fcbingen 2006, S. 18.[\/ref]&nbsp;Die \u201eletzte Stunde\u201c wurde im sp\u00e4ten Mittelalter als eine Art Pr\u00fcfung mit ungewissem Ausgang empfunden und gef\u00fcrchtet. \u201eDenn nun\u201c \u2013 in eben dieser Stunde \u2013 \u201ef\u00e4llt die letzte unwiderrufliche Entscheidung. Von der sittlichen Verfassung des Menschen in der Todesstunde h\u00e4ngt ja sein ewiges Schicksal ab.\u201c[ref]Rudolf: Ars moriendi, S. 56.[\/ref]&nbsp;Diese Vorstellung einer letzten Pr\u00fcfung verdr\u00e4ngte die bis dahin vorherrschende Erwartung des J\u00fcngsten Gerichts in unbestimmter Zukunft \u2013 die Entscheidung \u00fcber das ewige Schicksal des Einzelnen wurde \u201eein entsetzliches Spiel\u201c direkt an seinem Lebensende.[ref]Ari\u00e8s, Philippe: Geschichte des Todes, M\u00fcnchen \/ Wien 1980, S. 140.[\/ref]<\/p>\n<p>\u201eEin derart hohes Risiko hat etwas Erschreckendes, und man versteht denn auch, da\u00df die Angst vor dem Jenseits damals ganze Bev\u00f6lkerungsschichten erfa\u00dfte, die noch keine Furcht vor dem Tode kannte.\u201c[ref]Vgl. ebd., S. 141.[\/ref]&nbsp;Der Tod wurde von den damals lebenden Menschen in seiner ganzen Drastik und H\u00e4rte erfahren, was verst\u00e4ndlicherweise zu einer pessimistischen Grundhaltung f\u00fchrte. Die Kirche war angesichts dieser weit verbreiteten Angst und Verzweiflung kaum mehr in der Lage hinreichenden Trost zu spenden.[ref]Vgl. Haas, Alois M.: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter. In: Jezler, Peter(Hg.): Himmel, H\u00f6lle, Fegefeuer. Das Jenseits im Mittelalter, Ausstellungskatalog Z\u00fcrich 1994, S. 74.[\/ref]<\/p>\n<p><em><strong>Das Bild vom Tod<\/strong><\/em><br \/>\nDer Tod mit all seinen Schrecknissen wurde den Menschen im Sp\u00e4tmittelalter \u201emultimedial\u201c anschaulich gemacht. In Predigten und literarischen Schriften wurde der Verachtung der irdischen Welt (<em>Contemptus mundi<\/em>), dem st\u00e4ndigen Gedenken des Todes (<em>Memento mori<\/em>) und einer daher notwendigen Lehre des heilsamen Sterbens (<em>Ars moriendi<\/em>) in Wort und Schrift Ausdruck verliehen. Bildliche Darstellungen vom Verfall und der Verwesung des menschlichen K\u00f6rpers sowie personifizierte Darstellungen des Todes avancierten im sakralen Bereich zum Standard und unterst\u00fctzten die theologischen Texte. Auch die leseunkundige Bev\u00f6lkerung erhielt so einen Zugang zur damals aktuellen christlichen Vorstellungswelt \u00fcber Tod und Jenseits, sofern diese \u00fcber die realen Erfahrungen mit dem Tod \u00fcberhaupt hinaus ging. Den f\u00fchrenden Theologen der damaligen Zeit war es vermutlich wichtig, die Allgegenwart des Todes \u2013 ausgel\u00f6st durch Naturkatastrophen, Hunger, Epidemien, Krieg und Gewalt \u2013 plausibel in die christliche Lehre zu integrieren, damit diese glaubw\u00fcrdig bliebe. \u201eKeine Zeit hat mit solcher Eindringlichkeit jedermann fort und fort den Todesgedanken eingepr\u00e4gt wie das f\u00fcnfzehnte Jahrhundert.\u201c[ref]Huizinga, Johann: Herbst des Mittelalters, Stuttgart 1990, S. 190., Zit. n. Reudenbach: Tod und Verg\u00e4nglichkeit in Bildern des Sp\u00e4tmittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit, S. 73.[\/ref]&nbsp;Die permanente Wahrnehmung von Tod, Gericht, Himmel und H\u00f6lle sollten Betrachter, Leser und Zuh\u00f6rer auch vor den vermeintlich schlimmen Konsequenzen s\u00fcndigen Verhaltens warnen.[ref]Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 74.[\/ref]<\/p>\n<p><em><strong>Die Auseinandersetzung mit dem Tod<\/strong><\/em><br \/>\nIn der Sterbeliteratur der ars moriendi wird der Tod als das zentrale Geschehen im Leben dargestellt. Alles Entscheidende f\u00fcr das jenseitige Leben nach dem Tode wurde in die letzte Phase des irdischen Lebens \u2013 die Sterbephase \u2013 verlegt. Somit wurde eingestanden, dass das irdische Leben trotz der Vorschriften und Gebote der christlichen Lehre eigentlich unz\u00e4hmbar und unlenkbar war.[ref]Vgl. ebd., S. 76.[\/ref]&nbsp;Durch die Verlegung der Entscheidung \u00fcber den weiteren Weg nach dem Tode an das Ende des Lebens f\u00f6rderte die Kirche \u2013 wenn auch ungewollt \u2013 eine b\u00fcrgerliche Verweltlichung des christlichen Daseins. Warum, so werden sich die damaligen Zeitgenossen gefragt haben, sollte auch das ganze Leben christlich gepr\u00e4gt und durchstrukturiert sein, wenn sich der weitere Weg nach dem Tode doch erst auf dem Sterbebett entscheidet.[ref]Vgl. ebd., S. 76.[\/ref]<\/p>\n<p>F\u00fcr die gro\u00dfe Anzahl der Kranken und Sterbenden gab es viel zu wenig Priester, die diese Menschen in ihrer letzte Stunde seelsorgerisch begleiten konnten. So ging man seitens der Kirche dazu \u00fcber, schon die Lebenden und Gesunden in Predigten auf ihren Tod vorzubereiten. Urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Priester bestimmte schriftliche Anweisungen f\u00fcr Handlungen und Rituale in der Todesstunde der ihnen anvertrauten Gl\u00e4ubigen fanden bald auch au\u00dferhalb der Priesterschaft unter Laien weite Verbreitung. Die in diesen \u201eTodesb\u00fcchlein\u201c niedergeschriebene Kunst des Sterbens, die <em>ars moriendi<\/em>, wurde meist von Klerikern aus einem reformerischen Umfeld abgefasst.[ref]&nbsp;Vgl. ebd., S. 74f.[\/ref]<\/p>\n<p>Neben den schriftlichen Anweisungen wurden zunehmend auch bildliche Darstellungen des Sterbeprozesses in den <em>ars moriendi <\/em>verbreitet. Auch der leseunkundigen Bev\u00f6lkerung konnte nun durch Bilder, die in einer Holzschnitttechnik gedruckt wurden, ein Leitfaden zur \u201eKunst des guten Sterbens\u201c vermittelt werden. Die \u201eArs moriendi der f\u00fcnf Anfechtungen\u201c, auch \u201eBilder-Ars\u201c genannt, ist das wohl ber\u00fchmteste Sterbeb\u00fcchlein des 15. Jahrhunderts.[ref]Rudolf: Ars moriendi, S. 69.[\/ref]&nbsp;Die Erstausgabe, ein Blockbuch mit Holzschnitten, ist vermutlich um 1465 im Rheinland entstanden. Von hier aus breitete sich die \u201eBilder-Ars\u201c \u00fcber ganz Deutschland und in Westeuropa aus. F\u00fcr die Gestaltung der Bilder in der Erstausgabe kommt als \u201eMeister E.S.\u201c genannter K\u00fcnstler in Frage, dessen Urheberschaft aber nicht gesichert ist. Der Text ist m\u00f6glicherweise schon \u00e4lter, er k\u00f6nnte bereits 1408 oder 1414 von einem franz\u00f6sischen Geistlichen verfasst worden sein. [ref]Rudolf, Rainer: Art. \u201eBilder-Ars-Moriendi\u201c, In Verfasserlexikon VI, 1978, Sp. 862.[\/ref]&nbsp;Die erste deutsche Ausgabe ist um 1470 entstanden. Die Holzschnitte zu dieser Ausgabe hat ein K\u00fcnstler \u201eLudwig von Ulm\u201c geschaffen, dessen genaue Identit\u00e4t aber nicht bekannt ist.[ref]Vgl. Hannemann: Das Bild des Todes in Artes moriendi, S. 54.[\/ref]<\/p>\n<p>Viele Menschen waren damals in ihrer letzten Stunde auf sich allein gestellt. Ohne priesterlichen Beistand mussten sie aus dem Leben scheiden. Solch Aussichten waren f\u00fcr unsere Vorfahren sehr be\u00e4ngstigend, weil nach ihren damaligen Vorstellungen die M\u00e4chte des B\u00f6sen in letzten kritischen Augenblicken eines Menschen noch einmal alles daran setzen w\u00fcrden, um mit List und T\u00fccke seiner bald aus dem K\u00f6rper weichenden Seele habhaft zu werden. Hier setzte der Sterbeleitfaden an: In elf Holzschnitten f\u00fchrte die \u201eBilder-Ars\u201c dem Betrachter drastisch vor Augen, um welche teuflischen Listen es sich bei diesen Versuchungen wohl handeln w\u00fcrde und wie man sich gegen diese zur Wehr setzen konnte. Um eine Allgemeinverst\u00e4ndlichkeit zu erreichen, wurde der Kampf um die Seele personifiziert dargestellt. Der Sterbende ist als ein Mann in den besten Jahren dargestellt, mit dem sich viele leicht identifizieren konnten. Hatte man sich die elf Illustrationen ein paar Mal angesehen, kannte man deren Inhalt schnell auswendig. Wenn man dieses schon in jungen Jahren tat, war man anschlie\u00dfend ein Leben lang f\u00fcr den letzten Kampf ger\u00fcstet und brauchte sich in der Sterbestunde nur so zu verhalten, wie es im Leitfaden anhand des sterbenden \u201eJedermanns\u201c beispielhaft zu sehen war. Man w\u00fcrde dann in den letzten Augenblicken auf Erden allen teuflischen Versuchungen widerstehen und gottgef\u00e4llig sterben k\u00f6nnen &#8211; und somit die ewige Gl\u00fcckseligkeit erlangen.[ref]Vgl. Imhof, Arthur E.: Ars moriendi ,1997-2001,&nbsp;<a href=\"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~history1\/ks\/arsmor.htm#vor\">http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~history1\/ks\/arsmor.htm#vor<\/a> (23.01.2011)[\/ref]<\/p>\n<p>Dargestellt wird in den elf Bildern der gl\u00fccklich ausgehende Kampf um die Seele eines Jedermann in der Sterbestunde. Es geh\u00f6ren immer zwei Bilder zusammen. Die f\u00fcnf Holzschnitte auf der linken Seite visualisieren die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften teuflischen Versuchungen, die man sich damals vorstellen konnte, die f\u00fcnf Antwortbilder auf der rechten Seite zeigen, wie himmlische M\u00e4chte dem Sterbenden zu Hilfe eilen, ihm beistehen und ihn zum Widerstand gegen die teuflischen Versuchungen und zum Ausharren ermutigen:<\/p>\n<p>\u201eVersuchung im Glauben\u201c und \u201eErmutigung im Glauben\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/5\/50\/Weigel_01.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi1\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/5\/50\/Weigel_01.JPG\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"507\"><\/a> <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/6f\/Weigel_02.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi2\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/6f\/Weigel_02.JPG\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"479\"><\/a><\/p>\n<p>\u201eVersuchung durch Verzweiflung\u201c und \u201eTrost durch Zuversicht\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/63\/Weigel_03.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi3\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/63\/Weigel_03.JPG\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"465\"><\/a> <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/0e\/Weigel_04.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi4\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/0e\/Weigel_04.JPG\" alt=\"\" width=\"352\" height=\"496\"><\/a><\/p>\n<p>\u201eVersuchung durch Ungeduld\u201c und \u201eTrost durch Geduld\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/01\/Weigel_05.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi5\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/01\/Weigel_05.JPG\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"476\"><\/a> <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d4\/Weigel_06.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi6\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d4\/Weigel_06.JPG\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"460\"><\/a><\/p>\n<p>\u201eVersuchung durch Hochmut\u201c und \u201eTrost durch Demut\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/3a\/Weigel_07.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi7\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/3a\/Weigel_07.JPG\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"447\"><\/a> <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/37\/Weigel_08.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi8\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/37\/Weigel_08.JPG\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"446\"><\/a><\/p>\n<p>\u201eVersuchung durch irdische G\u00fcter\u201c und \u201eTrost durch Abwenden vom Irdischen\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/2c\/Weigel_09.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi9\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/2c\/Weigel_09.JPG\" alt=\"\" width=\"331\" height=\"454\"><\/a> <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/63\/Weigel_10.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi10\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/63\/Weigel_10.JPG\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"453\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im elften Bild ist der Kampf entschieden, die himmlischen M\u00e4chte haben gesiegt, die Seele des nun Verstorbenen ist gerettet \u2013 Ende gut, alles gut.[ref]Vgl. ebd.[\/ref]<\/p>\n<p>\u201eErl\u00f6sung der Seele\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/b2\/Weigel_11.JPG?uselang=de\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"ars_moriendi11\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/b2\/Weigel_11.JPG\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"441\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Sterbehilfe im damaligen Sinne kann als psychologische Unterst\u00fctzung des Sterbenden auf seinem letzten und entscheidenden Weg gesehen werden. Insbesondere galt es, sich auf die \u201eVier Letzten Dinge des Menschen\u201c vorzubereiten: Tod, Gericht, Himmel und H\u00f6lle.[ref]Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 70.[\/ref]&nbsp;Im Sp\u00e4tmittelalter wurden die \u201eLetzten Dinge\u201c und der Tod zu einem beherrschenden Thema in der christlichen Lehre. [ref] Vgl. ebd., S. 74.[\/ref]&nbsp;Im christlichen Abendland gab es deshalb der eine \u201ewahre Flut von Anleitungen zu einem heilsamen Sterben\u201c.[ref]Rudolf: Ars moriendi, S. 62.[\/ref]&nbsp;Die Sterbeleitf\u00e4den wurden, auch beg\u00fcnstigt durch die Fortschritte in der Drucktechnik, zu einem erfolgreichen \u201eMassenmedium\u201c \u2013 dieser Erfolg beruhte nicht zuletzt auf die Illustrationen der \u201eBilder-Ars\u201c, welche auch die \u00fcberwiegend leseunkundige Bev\u00f6lkerung ansprach.<\/p>\n<p><em><strong>Die Tabuisierung und Wiederentdeckung des Todes<\/strong><\/em><br \/>\nDer Tod wird bis heute in den westlichen Industriegesellschaften tabuisiert und quasi ausgeblendet, w\u00e4hrend er im Mittelalter omnipr\u00e4sent war und daher kaum ignoriert werden konnte. Der mittelalterliche Mensch musste sich bei Zeiten mit Tod und Jenseits auseinandersetzen und der bevorstehende eigene Tod wurde als integraler Bestandteil des Lebens angesehen und akzeptiert.[ref]Vgl. Haas: Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalter, S. 69.[\/ref]&nbsp;Sterben war im Mittelalter kein Akt im Verborgenen, sondern fand \u00f6ffentlich statt &#8211; die Menschen waren bestrebt mit Anstand und W\u00fcrde zu sterben.[ref]Vgl. ebd., S. 72.[\/ref]&nbsp;Mit dem Wissen um seinen nahenden Tod nahm der mittelalterliche Mensch \u201esterbend die Regie seines Sterbens in die Hand\u201c.[ref]Vgl. ebd., S. 73.[\/ref]<\/p>\n<p>Der heutige Mensch hat diese Regie weitgehend an die Medizin und ihre Apparate abgegeben \u2013 das Sterben findet in der Regel unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit in Kliniken und Pflegeheimen statt. Es scheint aber, dass hier langsam ein Diskurs \u00fcber den Sinn und Unsinn lebensverl\u00e4ngernder respektive das Sterben hinausz\u00f6gernder Ma\u00dfnahmen in Gang kommt. Der Wunsch todkranker Menschen zu Hause im Kreise ihrer Angeh\u00f6rigen zu sterben wird nach meiner Wahrnehmung gr\u00f6\u00dfer und auch \u00f6fter erf\u00fcllt. Einen allgemein anerkannten Leitfaden f\u00fcr das \u201erichtige\u201c Sterben wird es in unserer pluralisierten, individualisierten und s\u00e4kularisierten Gesellschaft wohl nicht mehr geben k\u00f6nnen \u2013 aber wenn wir uns auch zu Lebzeiten schon mit dem Tod auseinandersetzen und ihn enttabuisieren k\u00f6nnten, w\u00e4re ihm vielleicht Einiges von seinem Schrecken genommen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bayerische-landesbibliothek-online.de\/xylographa-werke#moriendi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ars moriendi &#8211; Blockb\u00fccher aus bayerischen Sammlungen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Essay von Peter Rose Die Gewissheit des Todes Memento mori \u2013 Gedenke, dass du sterblich bist. Dieser kirchlichen Mahnung, die den mittelalterlichen Menschen zu einem gottgef\u00e4lligen Leben motivieren sollte, bedurften die in der Krisenzeit des sp\u00e4ten Mittelalters Lebenden kaum mehr: Seit dem 14. Jahrhundert gab es eine H\u00e4ufung von Naturkatastrophen mit Hungersn\u00f6ten und sich &hellip; <a href=\"https:\/\/sauseschritt.net\/?p=74\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ars moriendi &#8211; Die Kunst des Sterbens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[28,10,94,12,96,11],"class_list":["post-74","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mittelalter","tag-15-jhdt","tag-ars-moriendi","tag-essay","tag-spatmittelalter","tag-sterben","tag-tod"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=74"}],"version-history":[{"count":83,"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1004,"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions\/1004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=74"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=74"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sauseschritt.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=74"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}